Chronik

1. Teil: Ersterwähnung und Besiedlung

Folgt man den bisherigen Chroniken Mohorns, dann wurde der Ort im Jahre 1267 erstmals urkundlich erwähnt und von Sorben gegründet. Beide Angaben gehören auf den Prüfstand. Denn die Urkunde von 1267, in der Markgraf Heinrich der Erlauchte dem Meißner Stift Mohorn geschenkt haben soll, ist nirgends überliefert. Erst 1350 taucht Mohorn (damals: Ohorn) in einer überlieferten Urkunde auf. Muss nun die komplette Geschichte umgeschrieben und das anstehende Jubiläum abgesagt werden? Keineswegs: Da in der Urkunde von 1350 Kaiser Karl IV. Mohorn als Besitz des Stiftes lediglich bestätigt, ist von einer früher erfolgten Gründung auszugehen. Überdies wird Mohorn in derselben Urkunde neben jener Meißner Wasserburg (samt Jacobikapelle) genannt, die tatsächlich 1267 nachweislich urkundlich Erwähnung findet. Es ist möglich, ja wahrscheinlich, dass es im Jahre 1267 eine zweite Urkunde gegeben hat, die jedoch nicht in Archiven überliefert wurde. Noch Johann Gottlob Horn, einer der ersten seriösen Historiker Sachsens, hat in einem Werk von 1726 die Schenkung Mohorns und der Wasserburg gemeinsam auf das Jahr 1267 datiert. Ihm dürften also damals beide Urkunden vorgelegen haben. Für eine Gründung des Ortes im 13. Jahrhundert sprechen zudem die damals erfolgte Rodung und Besiedlung des Gebietes durch deutsche Siedler im Zuge des großen Landesausbaus. Als typisch darf die von ihnen gewählte Waldhufenform gelten. Bis zu dieser Zeit war das heutige Gebiet bis Nossen dicht bewaldet und somit nicht bewohnt. Der Name Ohorn  (später: Mohorn) leitete sich eben vom „Ahorn“ her, wie der Sprachforscher und Historiker Alfred Meiche schon 1908 wusste. Eine sorbische Gründung kann damit ausgeschlossen werden. Die geringe Dichte der überlieferten Quellen für unseren Fall (Mohorn) ist im Übrigen kein Argument gegen die These der frühen Gründung, sondern eher der Normalfall für die damalige Zeit und dieses Gebiet.

Dr. Mike Schmeitzner           


2.Teil: Allgemeine Entwicklung in Zahlen bis 1551

Keiner kennt heute die Anzahl der ersten deutschen Siedler, die sich vom Gebiet der Mulde aus aufmachten, um in unserer Region am Ahornbusch den Wald zu roden und den Boden landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Bäuerliche Höfe reihten sich als Waldhufendorf auf den Höhen des Nebentals der Triebisch. (2)
Die in Meißen ansässigen Slawen gaben dem Fluss seinen Namen von der Mündung in die Elbe her. Es gibt verschiedene Deutungen: Der Mohorner Chronist Roland Göhler bezieht sich auf Pfarrer Jägers Chronik und spricht von „Triwe, die Vernichtende“ oder auch „Drewo“, Holzfluss (1). Der Sprachforscher Alfred Meiche erklärt seinen Namen aus dem Wort „trébuša“: Reutbach, Bach, der durch gerodeten Wald fließt. (2)
Mit Sicherheit sorgten vom „Berggeschrey“ angelockte Bergleute aus dem Freiberger Raum schon bald für eine zahlenmäßige Aufstockung der Bewohner dieser Ansiedlung und deren wirtschaftliche Entwicklung. Man fand Silber „bey dem Ahorn“ oder in „Ohorn“, wie sich Mohorn zum Teil noch bis ins 16. Jahrhundert nannte, aber auch in Ziegenrück bei Mohorn, der alte Name für Grund.
Welchen Einfluss Kriege sowie die Hungersnöte und Pestepidemien des 13. bis 15. Jahrhundert auf die Bevölkerungsentwicklung speziell unserer Gemarkung hatten, ist mangels vorhandener schriftlicher Überlieferungen nicht nachzuweisen. Von größeren Schwankungen ist auszugehen.

Eine Erfassung der Einwohner erfolgte in unserem Raum zum ersten Mal 1547/51. Im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen sind diese Zahlen von Beginn an dokumentiert und dienen als Grundlage für diese Betrachtung.
Im Jahr 1551 wohnten in Mohorn 66 besessene Mann (Guts- und Landbesitzer –), 12 Häusler (besitzen nur ein Haus ohne Land), 65 Inwohner (Tagelöhner und andere Personen, die kein Bürgerrecht besaßen). Familienmitglieder wurden nicht gezählt. Man kann davon ausgehen, dass um die 600 Personen im Ort wohnten. In diesem Zeitraum sind nur Schätzungen möglich. Erst im 19. Jahrhundert wird die genaue Entwicklung der Bevölkerung erfasst.
Das Dorf hatte wahrscheinlich eine gute allgemeine wirtschaftliche Entwicklung aufzuweisen, denn bereits 1496 wurde die ehemalige Kapelle in eine stattliche Kirche umgebaut, weil das alte Gebäude  die Menschen nicht mehr fassen konnte.

Es lohnt ein Vergleich mit den umliegenden Dörfern. Beschränkt man sich nur auf „besessene Mann“, so zählte man im gleichen Jahr in Herzogswalde 45, Helbigsdorf 21, Steinbach 12, Dittmannsdorf 58.
In Grund erfasste man die Einwohner erstmals im 17. Jahrhundert.

Margit Möbius

Quellen:
(1) Roland Göhler, Mohorn in sieben Jahrhunderten, Chronik
(2) Über Berg und Thal, Organ des Gebirgsvereins für die
    sächsische Schweiz, 31. Jahrg. Nr. 9. S. 322


3.Teil: Allgemeine Entwicklung in Zahlen von 1638 bis 1764

Schriftstücke aus dem 15. Jahrhundert bezeugen, dass in Grund bereits jahrelang Bergbau betrieben wurde. (3) Der Zuzug von Bergleuten bildete die Basis der Einwohnerschaft. Eine genaue Größe ist nicht bekannt. Möglicherweise wurde die sich stets ändernde Zahl der Siedler von „im Grunde“ oder „Ziegenruck“ auch „Im Ziegenrucker Grunde“ bei der Zählung von Mohorn im Jahr 1547 mit berücksichtigt.
Im 30-jährigen Krieg kam der Bergbau fast zum Erliegen. (3)  Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Bergleute auch in unserem Ort auf ein Minimum  zurückging. Erst im Jahr 1638 erfolgte nur für Grund eine offizielle Zählung. Sie erfasste dabei 2 Gärtner und 5 Häusler, also etwa 30 bis 35 Personen (Schätzung nach Historiker-Schlüssel).

Bereits die Hussitenkriege brachten Tod und Vertreibung in die Dörfer. Man zählte von 1571 bis 1580 in Mohorn nur 21 Geburten jährlich. Zum Vergleich: im Jahr 1600 waren es wieder 33. (1)

Der Chronist Pfarrer Jäger recherchierte auch im 30-jährigen Krieg weniger Eheschließungen und Geburten. Die Söhne des Landes  wurden im Rahmen des kursächsischen Defensionswerkes zur Landesverteidigung eingezogen und fehlten in den Dörfern auch zur Feldbestellung. Sachsen verlor 50% seiner Bevölkerung.
Durchziehendes Militär, Einquartierungen während des Krieges, Vandalismus waren auch die Ursache für wirtschaftlichen Niedergang in der Region und Flucht von Teilen der Bevölkerung. 17 Personen wurden von durchziehenden kaiserlichen Soldaten in Mohorn erschlagen. (1)
Die stärksten Verluste gab es in den Jahren 1632/33 (Belagerung Freibergs und Pestepidemie). Allein die Pest raffte insgesamt 364 Personen, auch Kinder dahin.
1676 starben in Mohorn an der roten Ruhr 84 Personen und im Jahr 1681 nochmals 19 Personen an der Pest.

Klimaschwankungen, Missernten und damit verbundene Hungernöte forderten Opfer unter der Bevölkerung, vor allem in den Jahren 1726, 1763 und 1770/71. (4) 1764 zählt man auch in Mohorn vier Wüstungen (verlassene, nicht bewirtschaftete) Höfe.

Zur Stabilisierung der Wirtschaft und damit auch Zunahme der Bevölkerungszahlen trugen unter anderem die ab 1620 aus Böhmen vertriebenen evangelischen Exulanten nach Sachsen (ca. 150 000) bei. Auch die allgemeine Nahrungsumstellung, vor allem der Anbau und Verzehr der Kartoffel, brachte eine Verbesserung der Lebensverhältnisse und Reduzierung die Sterblichkeitsrate. (4)

Im 18. Jahrhundert bringen die Schlesischen Kriege Angst  und Schrecken über das Land und sorgen für Bevölkerungsverluste. Beispiele über Raub, Totschlag und Flucht sind in den Mohorner Kirchenakten dokumentiert.

Erst 1764, nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763), erfolgte die nächste Erfassung der Einwohnerzahlen im Land.  Man zählt jetzt In Mohorn 62 besessene (besitzende) Mann, 6 Gärtner und 58 Häusler  4 Wüstungen.(geschätzt ca. 700 Einwohner).
In Grund werden 3 Gärtner und 15 Häusler (zu einem großen Teil Bergmannsfamilien)genannt. Das entspricht ungefähr einer Zahl von 90 Personen.

Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts ist auch die Zeit der Einwohner-Schätzungen vorbei.

Margit Möbius

Quellen:

(1) Roland Göhler, Mohorn in sieben Jahrhunderten, Chronik
(3) Jens Kugler, Der Reiche Matthias Erbstolln im Bergbaugebiet Mohorn-Grund (Schriftenreihe: Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau Heft 52)
(4) Hermann/Thieme, Sächsische Geschichte im Überblick



4. Teil Wie die Kirche ihre heutige Gestalt erhielt

Wenn man auf der B173 von Dresden nach Freiberg fährt, sieht man auf der Höhe vor Herzogswalde die Mohorner Kirche. Auch aus Richtung Freiberg ist sie schon vor dem Ortseingang mit ihrem 52m hohen Turm als ortsbildprägendes Gebäude herausragend zu erkennen.
Die heutige Gestalt mit Turm erhielt die Kirche erst im Rahmen eines grundlegenden Umbaus, der von 1887 bis 1889 erfolgte und vom  Architekten Prof. Arnold - u. a. beteiligt am Umbau der Dresdner Sophienkirche- geplant und ausgeführt wurde. Bis dahin gab es nur einen Dachreiter in der Mitte des Kirchendaches. Das Bild aus dem Jahre 1885 zeigt die Kirche aus südlicher Richtung vom Schulberg aus gesehen.


Diese äußere Gestalt hat sie 1496 erhalten. Bis dahin existierte wahrscheinlich nur eine kleine Bergmannskapelle auf dem Grundriss des heutigen Altarraumes - ein halbes Achteck, dessen westliche Seite als gerade Wand ausgeführt wurde. Nach dieser Seite erfolgte der Anbau eines Kirchenschiffes - finanziert durch den damals umfangreich betriebenen Bergbau und die Mitwirkung der Bergleute. Das Jahr des Anbaus lässt sich noch heute an dem südlichen Strebepfeiler ablesen. 

Im Dachreiter befanden sich Glocken von 1520, 1571 und 1736. Sie wurden 1888 von der Gießerei A. Biering umgegossen und in den Glockenstuhl des neuen Turmes übernommen. Im ersten Weltkrieg musste die kleinste, die Taufglocke, abgegeben werden. 1920 wurde  das Geläut durch eine Glocke aus Tharandt  wieder vollständig. 1942 fielen die beiden großen Glocken der Rüstungsindustrie zum Opfer.                                                                                                                                                                  

Dank großer Spendenbereitschaft der Gemeinde konnten  Ostern 1953 zwei neue, in Apolda in Eisenhartguss gegossene Glocken, geweiht werden.   
Betritt man das Gotteshaus durch den Turmeingang, fällt der Blick auf eine Tafel zur Ehrung der Gefallenen des zweiten Weltkrieges. Eine zweiflüglige Eingangstür führt in das Kirchenschiff. Mit dem Blick in Richtung Osten wird die baugeschichtliche Entwicklung deutlich. Durch einen farbigen Rundbogen sieht man den Altarraum, den ältesten Teil der Kirche. Vier große Kirchenfenster aus Buntglas  unterstreichen die Rolle des im Jahre 1604 eingeweihten Altars mit seiner Abendmahlsdarstellung durch helles Licht. Mittig und fast an der Grenze zum Kirchenschiff steht der Taufstein aus dem Jahre 1599. In den Jahren 1887/89 ist auch die Kanzel, die am Rundbogen befestigt ist, erneuert worden. Dieser Bogen war mit dem Durchbruch  zum Anbau des Kirchenschiffes geschaffen und in späterer Zeit mit Kalk überstrichen und mit farbigen Scheinfugen versehen worden. Bei 1953 durchgeführten Renovierungsarbeiten wurde eine unter der Kalkschicht liegende farbige Bemalung entdeckt,  freigelegt und restauriert. Diese Bemalung ist die einzige aus dieser Zeit erhaltene und wahrscheinlich um 1600 entstanden.
Vom Altarraum aus gesehen zeigt sich das Kirchenschiff heute mit zwei Seitenemporen und der mittig angeordneten Orgelempore. Die Decke besteht aus einer trapezförmig nach oben ausgebildeten Holzkonstruktion. Die Gestaltung und Bemalung der Decke und der Emporen erfolgte mit dem Umbau 1887/89.

Die erste Orgel stammt vom Ende des 17. Jahrhunderts. Sie wurde 1888/89 vom Orgelbauer Kreuzbach aus Borna durch eine neue ersetzt.
Das alte Pfarrhaus befand sich vor 1847 in einem sehr schlechten Zustand. In diesem Jahr konnte es dank einer Spende des Gutsbesitzers Heyde durch einen Neubau ersetzt werden.
Nach der Wende konnten dank Fördermitteln umfangreiche Instandhaltungs-und Renovierungsarbeiten durchgeführt werden. U. a. erhielten Kirche und Pfarrhaus ein neues Dach. Taufstein und Altar sowie das Fachwerkhaus im Pfarrhof wurden denkmalsgerecht restauriert. Einen großen Anteil an der Organisation dieser Arbeiten, von Sachsammlungen für Hilfsbedürftige in Rumänien und an der Gestaltung des Gemeindelebens hat das seit 1992 im Dienst der evangelisch-lutherischen Kirche stehende Pfarrerehepaar. Mittels der Kirchennachrichten „miteinander“ werden die Gemeindeglieder des Kirchspiels regelmäßig über das Gemeindeleben informiert.
Die Kirche wird auch für kulturelle Veranstaltungen (z. B. Konzerte) genutzt. Dazu sind etwa 300 Sitzplätze verfügbar.
In dem für Samstag, den 10.06.2017  geplanten stationären Festumzug und einer zusätzlich als Erläuterung gedachten Bildtafelausstellung sollen auch Details aus der Kirchengeschichte zu sehen sein. Für dazu gegebene Anregungen, altes Bildmaterial u. a. wäre ich im Namen des Pfarrers und des Heimatvereins dankbar.

Dietmar Häger

Quellen:
Roland Göhler: Ortschronik 1994

              

5. Teil:  Wie sich das Innere der Kirche veränderte, Teil 1

Es ist anzunehmen, dass es in Folge der Reformation (nach 1539) in der Mohorner Kirche zu  Veränderungen kam. Gurlitt²   äußert 1904 die Vermutung, dass einige von den damals auf dem Kirchenboden aufgefundenen hölzernen Figuren, die sich „in beklagenswerthem Zustande“  befanden, zu einem  wahrscheinlich um 1510 entstandenen hölzernen Altar gehörten.
Eine bis heute erhaltene Figur, die heilige Anna, beschreibt Gurlitt wie folgt: „53 cm hoch, sitzend, die Maria auf dem rechten Schoosse als bekleidetes Mädchen“. Vom Enkelkind Jesus sind leider nur Reste eines Fußes erhalten. Sie befindet sich als „Anna Selbdritt“ jetzt im Heimatmuseum Wilsdruff.
Die Museumsleiterin, Frau Marienfeldt, berichtete:

„2014/15 übernahm die Restauratorin Betina Beck aus Kesselsdorf den Auftrag die Figur für die Präsentation in der dauerhaften Ausstellung des Heimatmuseums zu reinigen und die Reste der erhaltenen farbigen Fassung zu konservieren. Die Reinigung legte eine hellere Farbfassung frei, die jetzt den originalen Zustand erlebbar werden lässt. Schadstellen, die das optische Gesamtbild verunklärten, wurden in Aquarelltechnik ausgebessert. Unterstützt wurde das Vorhaben durch die Förderung des Kulturraumes Meißen-Sächsische Schweiz – Osterzgebirge“.

1571 wurde Michael Bapst als Pfarrer berufen. Er ließ 1599 einen aus einheimischem Sandstein gefertigten neuen Taufstein aufstellen. Der achteckige Stein trägt vier über Eck gehende Schrifttafeln, die in lateinisch, griechisch, hebräisch und deutsch zur Taufe passende Bibelzitate enthalten. Eine über dem Fuß in Richtung zum Kirchenschiff zeigende Inschrift erinnert an Michael Bapst. Der stark ramponierte Fuß wurde bei der letzten 2006/07 erfolgten Restaurierung von dem aus Grund stammenden Steinmetz Sandro Nigrini durch einen neuen ersetzt. Eine 1887/89 geschaffene Abdeckung wird nicht mehr benutzt. Damit hat der Taufstein jetzt wieder sein ursprüngliches Aussehen.

Die bis heute genutzte Taufschale, wurde, wie die Prägung „1889“ zeigt, im Zuge des großen Umbaus neu angefertigt. Im Hintergrund des Bildes sind auch zwei der vier Buntglasfenster des Chores mit Darstellungen der großen Propheten zu sehen.

Dietmar Häger

Quellen:
1 Heimatmuse
um Wilsdruff: Konsultation
2 Gurlitt,Cornelius: Beschreibung…1904 Heft 24, S.80-86
3 Kriemhild Vödisch: Konsultation
4 Margit Möbius: Heimatheft 3 (2013)

Fotos:
Anna Selbdritt Foto: Betina Beck 2014
Taufstein Foto: Margit Möbius 2013



6. Teil:  Wie sich das Innere der Kirche veränderte, Teil 2

Im Jahre 1603 starb der Pfarrer Michael Bapst. Er hatte größere Umbauarbeiten eingeleitet. Neben der Aufstellung des Taufsteins hatte er auch die Anfertigung eines neuen Altaraufbaus aus Cottaer Sandstein in Auftrag gegeben. Dieser wurde 1604 aufgestellt und geweiht. Er steht auf einem Altartisch, der mit Sicherheit das älteste Teil der heutigen Ausstattung ist. Er besitzt zwei Aussparungen für Reliquien, die nach Meinung von K. Vödisch Hinweis dafür sein könnten, dass die Mohorner Kirche einst zwei Heiligen geweiht war. Der Altaraufbau, geschaffen von Bildhauern der Freiberger Schule, wurde 1704 erstmalig restauriert und 1887/89 bei einer erneuten Restaurierung mit grauer Ölfarbe überstrichen. Dank einer 2009/10 erfolgten Restaurierung konnte die ursprüngliche Farbigkeit teilweise wieder hergestellt werden. K. Vödisch beschreibt ihn wie folgt: „Der Altar zeigt als Halbrelief die Darstellung des Abendmahls, die seitlich durch jeweils zwei korinthische Säulen begrenzt wird. Die vor den Säulen stehenden Figuren symbolisieren den Glauben (links-darunter der auf die Auferstehung deutende aus dem Feuer aufsteigende Vogel Phönix) und die Liebe (rechts-darunter der seine Jungen mit seinem Blut fütternde Pelikan). Auf dem Gesims sind die Figuren der vier Evangelisten zu sehen, dazwischen erhebt sich eine ovale, reichlich verzierte Kartusche mit der Darstellung der Kreuzigung. Den bekrönenden Abschluss bildet die Figur des Auferstandenen mit der Siegesfahne“.

Die 1887/89 erneuerte Kanzel ist an dem Rundbogen, der den Übergang von dem Chor zum Kirchenschiff bildet, befestigt. Dieser Bogen, entstanden beim Anbau des Kirchenschiffes (nach 1496), zeigte sich bis 1953 weiß gekalkt und mit farbigen Scheinfugen versehen. Bei im selben Jahr durchgeführten Renovierungsarbeiten wurde unter der Kalkschicht eine farbige Fassung entdeckt, freigelegt und restauriert. Diese ist die einzige aus den Jahren vor 1887/89 erhaltene farbige Gestaltung und wahrscheinlich um 1600 entstanden. Zurückzuführen ist das darauf, dass mit dem großen Umbau 1887/89 das Kirchenschiff völlig neu ausgestattet wurde (Decke, Emporen). Somit ist von der bis dahin vorhandenen Ausstattung nichts erhalten.

Die seitlichen Emporen sind über die mittig angeordnete Orgelempore verbunden. Bei dem radikalen Umbau 1887/89 wurde auch die 1689 geweihte und vom Orgelbauer Gräbner aus Dresden gebaute Orgel durch einen Neubau vom Meister Kreuzbach aus Borna ersetzt. Mit der 1915 erfolgten Elektrifizierung hatte das bis dahin zum Spiel erforderliche „Bälgetreten“ ein Ende.

Dietmar Häger         
                                
Quellen:
1 Kirchenakten (Orgel)
2 Kriemhild Vödisch: Konsultation, Altarbeschreibung

Fotos:
1 Altartisch mit Altaraufsatz
2 Rundbogen, Kirchenschiff   





7.Teil: Die Bodenreform in Mohorn


Um die Versorgung der Bevölkerung nach dem Kriege zu gewährleisten, heißt es bereits in den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens, dass das Hauptgewicht auf die Entwicklung der Landwirtschaft für den inneren Bedarf zu richten sei.
Wohnungsnot und Ernährungsprobleme, die auch mit der Vielzahl von Flüchtlingen und Ausgebombten aus Dresden zusammenhingen, mussten von den Ortskommandanten der Sowjetischen Militäradministration geregelt werden. In Mohorn war die Bevölkerungszahl von 1549 im Jahre 1939 auf 2193 im Jahre 1946 gestiegen.

Sabine Schubert


8. Teil: Bemerkungen zum Bergbau in und um Mohorn

Teil 1: Allgemeines  und Bergbau in Grund

Seit vor mehr als 800 Jahren im Erzgebirge reiche Vorkommen an Silber und anderen Erzen angeschnitten wurden, entstanden unzählige Stollen, Schächte, Hammerwerke, Schmelzhütten, Teiche und Gräben sowie Stege und Wege, die wir zum Teil heute noch erkennen oder nutzen.

So begannen auch im Tal der Triebisch sowie in Mohorn selbst und der näheren Umgebung bergbauliche Aktivitäten. Leider fehlt dazu eine genaue Datierung.

Das Tal der Triebisch ist vorwiegend durch Phyllite geprägt. Das Grundgebirge wird durch den für das Erzgebirge und den Freiberger Raum typischen feinkörnigen bis mittelfeinkörnigen Biotitgneis gebildet. 

Die hier und auch im Freiberger Raum typische Arbeitsweise des Bergmanns war der Gangbergbau. Das heißt der Vortrieb folgt dem Erzgang. Die „alten Bergleute“ fuhren nach dem zufälligen Auffinden des Erzes einfach dem Erz hinterher, in das mehr oder weniger Unbekannte.
Daher auch der alte Bergmannsspruch „Hinter der Hacke ist es duster“.

Wann der Bergbau bei uns genau begonnen hat, ist nicht nachgewiesen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1459 und bezieht sich auf ein Bergwerk am Ziegenrücken. Dass der Bergbau schon in früheren Jahren eine Rolle im Ort spielte, bezeugen zum Beispiel dass im Bogenfenster der Kirche Schlegel und Eisen eingearbeitet sind oder dass der jetzige Altarplatz von Bergleuten errichtet wurde. Seit dem 16. Jahrhundert wurden zahlreiche Gruben in Grund, Mohorn aber auch für unmittelbar angrenzende wie Herrndorf, Hetzdorf, Niederschöna, Hutha und Haida genannt. Der nachstehende Auszug aus der Gangkarte zeigt das Potential besonders in Grund dafür.



Genauere Nachrichten über den Bergbau bei uns gibt es erst seit der Mitte des 18. Jahrhundert. Es ist anzunehmen, dass in der Zwischenzeit immer wieder kleine Gruben in Betrieb standen, ohne jedoch nennenswerten Gewinn abzuwerfen. Eine umfassende Übersicht dazu wurde durch Jens Kugler in der Schriftenreihe: Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau Heft 52 „Der Reiche Matthias Erbstolln im Bergbaugebiet Mohorn Grund“; Kleinvoigtsberg Juni 2008 erstellt. Hier werden insgesamt 42 Gruben für das vorstehende Abbaugebiet aufgelistet und mit ihren Betriebszeiten nachgewiesen.
Kugler weist ferner die Silberausbringung für den Zeitraum zwischen 1710 bis 1800 mit 582 kg Feinsilber unter Bezug auf den Zehntenschreiber Henselius aus. Diese Menge stammte aus 2372 kg Erz. Unter Beachtung der Größe des Gebietes ist dies eine recht große Menge.

Neben dem eigentlichen Grubenbetrieb bestanden offensichtlich in Grund auch Einrichtungen zur Erzaufbereitung sowie Schmelzhütten. Dies zeigt, dass die Gruben über eine gute Ausbeute verfügten. Der Betrieb der Schmelzhütten wurde mit der Zentralisation der Aufbereitung eingestellt. Der „Drei Lilien Erbstolln“ (die jetzige Weiße Halde), stellte wohl das am weitesten ausgebaute Grubenfeld in Grund dar. Hier bestanden beidseitig der Triebisch Wasserfassungen mit Kunstschacht und Kunstrad sowie ein über die Triebisch geführtes Feldgestänge zum Heben der Grubenwässer.
Teile davon sind auch noch heute gut erkennbar.

Der in der frühen Periode gängige Bergbau bezog sich vorwiegend auf die Nutzung der Oberflächen naher Erzgänge. Dies führt noch heute immer wieder, so auch in Grund, zu Tagesbrüchen. Gegenwärtig wird durch die Bergsicherung Freital, im Auftrag des Freistaates, vertreten durch das Sächsische Oberbergamt, der Tagesbruch auf dem „Beschert Glück Morgengang“ saniert.

Frank Stockmann

Quellen:
siehe Bergbau Teil 2



9. Teil: Bemerkungen zum Bergbau in und um Mohorn
Teil 2: Bergbau in Mohorn


Der in Mohorn betriebene Stolln – Erzengel Michael- war etwas größer und erlangte auch etwas mehr an Bedeutung als die Gruben in Grund.  Das Grubengelände liegt im Pfarrwald, am Abzweig der Steinbacher Straße (Folgenutzung durch die ehemalige Molkerei).
Das erste Auffahren erfolgte durch Eigenlöhner, die die Baue aber wieder fallen ließen. 1779 wurden die Strecken wieder aufgenommen und ab 1782 gemeinschaftlich bebaut. Geschürft wurden Schwefel- und Kupferkies, Zinkblende, Federerz und Bleiglanz mit weiß gültigem Silber. So wurden zum Beispiel 1782 ein Betrag von 152 Thalern, 3 Groschen und 7 Pfennigen erlöst.

1786 begann man mit dem Bau einer erforderlichen Radstube. Der Tagesschacht wurde 1849 abgeteuft. Damit war der Einsatz einer Dampfmaschine anstelle des Kunstgezeuges möglich. Jetzt war es wesentlich leichter die Grubenwässer zu heben. Zu dieser Zeit soll die Belegschaft aus über 100 Bergleuten bestanden haben.

Die Ausbeute muss recht gut gewesen sein, denn schon nach kurzer Zeit war es möglich, einen Gewinn von 8.000 Thaler zu verbuchen.  Die Grubenanlage wurde nun um eine Halde in Richtung Steinbach wie das nachstehende Bild zeigt erweitert.


Die eingenommenen 8.000 Thaler wurden veruntreut. Von diesem Verlust konnte sich die Grube nicht wieder erholen. Ein weiteres Abteufen und der Vortrieb in tiefer gelegenen Strecken musste unterbleiben, obwohl dort, laut Einschätzung von Fachleuten aus Freiberg weiteres Erz anstehen müsse, da das Bergwerkfeld nicht vollständig erkundet war.
Im Jahr 1894  wurde der Grubenbetrieb schließlich eingestellt.
Über viele Jahrhunderte hat sich der Spruch „ Alles kommt vom Bergwerk her“ erhalten, ebenso des Bergmannsgruß „Glückauf!“. Dieser hat eine doppelte Bedeutung. Er beschwört das Glück herauf, dass sich ein Erzgang auf tut, aber auch dass der Bergmann glücklich wieder aus der Grube ausfährt.
Die Geschichte des Bergbaus in Mohorn und Grund ist sehr umfangreich. Im Rahmen der Heimathefte sind dazu weiterführende Recherchen und Veröffentlichungen vorgesehen.

Frank Stockmann

Quellen:
Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden XXVIII. Band 1939, Schriftenreihe: Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau Heft 12 „Der Reiche Matthias Erbstolln Mohorn Grund“ Jens Kugler Kleinvoigtsberg (Sachsen) Juni 2008, Chronik  Mohorn in sieben Jahrhunderten“ Roland Göhler 1994 Herausgeber Gemeindeverwaltung Mohorn, Exkursionsführer Lehrgrube ALTE ELISABETH Heft 2/3; Herbert Phorr, Heinz Schützel, Ludwig Baumann; Bergakademie Freiberg 1985; Flyer zum Geologischen Freilicht Museum Mohorn/ Grund, Dr. Frank Haubrich


10. Teil: Die Bodenreform: Historischer Hintergrund

Der Gesetzentwurf zur Bodenreform entstand am Rande der Potsdamer Konferenz unter Federführung des sowjetischen Volkskommissariates für Auswärtige Angelegenheiten und wurde von Stalin autorisiert.
Schon am 20. August 1945 entscheidet sich das ZK der KPD in Kenntnis der sowjetischen Vorlage zur Umsetzung der Bodenreform.
Aufgrund von Befürchtungen in den Reihen des ZK der KPD, wie sich die Blockparteien dazu stellen werden, entschließt man sich, dass die Bodenreform per Verordnung durch die Landesverwaltungen durchzuführen sei.
Am 03. September 1945 beschließt das Präsidium der Landesverwaltung Sachsen gegen die Stimme von Präsident Erhard Hübner (LPD) als erstes deutsches Land eine Vorlage zur Verordnung über die Bodenreform.
Durch den Befehl Nr. 110 der SMAD wird dies abgesegnet.
Dabei verfolgten SMAD und Kommunisten folgende Ziele:
    1.    Ausschaltung der Gegner einer (schon geplanten) sozialistischen Umgestaltung,
    2.    Landvergabe an Vertriebene und Flüchtlinge, um diese besser zu integrieren,
    3.    Zufriedenstellung konservativer bäuerlicher Kräfte.
Vor allem die Zerschlagung der Macht der Junker und Faschisten war erklärtes und öffentlich proklamiertes Ziel.
Obwohl der Volksentscheid in Sachsen erst am 30. Juni 1946 stattfand, hatte "die SMAD mit ihrem Befehl 124 Über die Beschlagnahme und provisorische Übernahme einiger Eigentumskategorien in Deutschland  vom 30. Oktober 1945 das Vermögen der Amtsleiter des NSDAP , deren führender Mitglieder und einflussreicher Anhänger sowie das von aufgelösten nationalsozialistischen Organisationen bereits unter Zwangsverwaltung gestellt und mit dem SMAD-Befehl 154/181 über Übergabe des enteigneten und beschlagnahmten Eigentums in Besitz und Nutznießung der deutschen Selbstverwaltungen vom 21. Mai 1946 schon in das Verfügungsrecht der Landes-und Provinzialverwaltungen überführt."
So wurden in Sachsen 1798 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Gesamtfläche von 315.425 ha enteignet.
Das Land und alle darauf befindlichen Gebäude nebst lebendem und totem Inventar musste in der Regel binnen weniger Stunden verlassen werden.
In der Konsequenz führte das zur Zerstörung kultureller Güter, von Archiven, Bibliotheken und kunsthistorisch wertvollem Inventar, denn der Befehl 207 der SMAD vom 9. September 1947 ordnete den Abriss von Herrenhäusern und Schlössern an, damit der dringende Bedarf an Baumaterialien für Neubauernhöfe gedeckt werden konnte.
Der Befehl 209 der SMAD reagierte auf den schleppenden Gang der Bodenreform noch deutlicher. Bis 1948 sollte so in Sachsen der Bau von 5000 Häusern gewährleistet werden. Folgende Maßnahmen wurden festgelegt:
  • Bis zum 1. Januar 1948 soll die Grenzziehung der Neubauernhöfe abgeschlossen sein. Dabei wurde die Größe der Grundstücke für Wohn-und Wirtschaftsgebäude auf maximal 0,75 ha festgelegt.
  • Binnen Monatsfrist sollen Bau-und Kreditanträge der Neubauern bearbeitet werden.
  • Die Produktionskapazitäten vor Ort soll erhöht werden.
  • Zusätzliche Schichten in den Sägewerken werden angeordnet.
  • Es erfolgte (nochmals) die Genehmigung, das Baumaterial "zerstörter militärischer Werke und Bauten, ebenso der ehemaligen Gutsgebäude und der Ruinen herrenloser Gebäude" zu verwenden.
Bis 1952 waren in Sachsen annähernd 300 Gebäude betroffen.

Sabine Schubert


11. Teil: Die Bodenreform: Die Situation in Mohorn

Neun Personen in Mohorn erhielten durch die Bodenreform Land zugewiesen. Sie begannen damit, eigene Neubauernhöfe zu errichten.
Quellen zeigen, dass der Bürgermeister auch unserer Gemeinde ständig an die sowjetischen Kommandanten zu melden hatten, wie der Stand der Übereignung von Land zu einem festgesetzten Termin stand.

Ortsakte Mohorn im Kreisarchiv Pirna
Mohorn, 09.03.1946: Bürgermeister von Mohorn an den Stadtkommandanten in Freital:
"lt. Befehl Nr. 124 wurden in der Gemeinde Mohorn erfasst:
Ortsgruppenleiter Keller"

Blatt 2 - Bodenreform

11.03.1946
Zahl der aufgeteilten Flächen und Bauern 3
Bauern Land erhalten 5
Aufteilung Vieh restlos an alle Bauern
Aufteilung Inventar restlos an alle Bauern
Versorgung mit Geld eigene Mittel
Wie viele Urkunden 5

26.03.1946
Sind alle mit Saatgut versehen? ja
Traktoren 1
Brennstoff ja

Aber auch hier fehlte es an Geld und für den Bau und für die Landwirtschaft notwendiges Inventar. 1947 wurde daher die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe gegründet, der eine Maschinen-Ausleih-Station folgte.
Bis 1952 existierte noch die Weidewirtschaft, die dann der VdgB – BHG angegliedert wurde, bevor sie dann ab 01.01.1959 zur LPG gehörte.
Nur sehr langsam kam die Landwirtschaft wieder in die Gänge. Das "System der freien Spitzen" sollte zwar ein Anreiz sein, aber aus Aufzeichnung von Herrn Gerhard John ist zu entnehmen, dass schon die Pflichtabgaben schwer zu realisieren waren:
Die Bauern der Gemeinde Mohorn hatten beispielsweise für das Jahr 1951 folgende Mengen zu erbringen:

Produkt Menge
Rind 23572 kg
Schwein 64082 kg
Milch 645611 kg
Eier 77789 Stück
Wolle 535 kg
Getreide 5502 dt
Hülsenfrüchte 91,7 dt
Ölsaaten 319 dt
Kartoffeln 9467 dt
Heu 364 dt
Zuckerrüben 2591 dt


Sabine Schubert


Teil 12: Hochwasser 

Nichts auf Erden ist so weich und schwach wie das Wasser. Dennoch im Angriff auf das Feste und Starke wird es durch nichts besiegt“ (Lao-Tse)

Nach ersten Aufzeichnungen gab es am 5.August 1413 Überschwemmungen an der Triebisch, welche schwere Schäden in Meißen verursachten. Weitere Hochwasserereignisse wurden besonders benannt am 22. Juli 1432, 24. August 1471, 7. August 1506, Juni und Juli 1854, 14. und 17. Mai 1887. Im Juli 1897 gab es nach zwanzig Tage andauernde Regenfälle und einem Wolkenbruch (140mm/m²), eine große Hochwasserkatastrophe in Sachsen. Das Triebischtal erlebt an einem Tage zweimal Hochwasser. Nach anhaltenden Niederschlägen und einem Wolkenbruch über dem Quellgebiet konnten die frisch angelegten Dämme der Fischteiche mit 25 Acker (1 Acker = 5.534,2 m²) Wasserfläche und 3 Meter Tiefe, nicht mehr standhalten. Der oberste Damm brach und eine meterhohe Flutwelle ergoss sich über das bereits leicht überschwemmte Tal und erreichte Grund. Es gab große Zerstörungen an Gebäuden und Straßen, Felder und Wiesen mit Fußhohem Steingeröll und Sand überschüttet. Ein Knecht der Tännichtmühle, der seine Zuflucht auf einem Baum gesucht hatte, musste drei bange Stunden auf Rettung warten. Die massive Brücke der jetzigen Bundesstraße 173 wurde zerstört, sowie viele Mühlen. Im Juni 1926 nach tagelangem Regen im Einzugsgebiet der Triebisch (35,6 km²), gab es vergleichsweise hohe Niederschlagsmengen, wie im August 2002. Am 3.zum 4.Juli 1958 kam es durch starke Niederschläge zu Überschwemmungen in unserem Gebiet. (siehe Foto) In Grund wurden fast alle Brücken und die Straße zerstört, Schüler mussten mit Leiterwagen aus dem Schulgebäude gebracht werden.

An die Jahrhundertflut 2002 und 2013 können wir uns noch gut erinnern, an die großen Schäden, den Feuerwehrleuten und den vielen Helfer die bei der Bekämpfung der Flut mithalfen und danach die Aufräumarbeiten in den Ortschaften. Es folgten Gewässerbaumaßnahmen, so wurden Ufermauern und Brücken in der Ortslage Grund neu errichtet sowie das Flussbett stellenweise in der Ortslage ausgebaut.So mussten wir auch in Deutschland schmerzhaft feststellen, wie sich im Jahre 2002 (Elbeflut, Triebisch und andere Gewässer) und dem Juni-Hochwasser 2013 gleich zwei Jahrhundertfluten innerhalb von nur elf Jahren ereigneten.

Jürgen Nönnig

Quellen:
Orts-Chronik Helbigsdorf und Mohorn.
Sächsische Volksschriften Verlag 1897 „Die große Wassernot in Sachsen von 1897“.
Aufzeichnungen von Generaldirektor Hermann Müller aus Grund


13. Teil: Frühe Spuren handwerklicher Tätigkeit in Mohorn und Grund

750 Jahre Mohorn - das sind auch 750 Jahre Handwerk und Handel in Mohorn.

Bis zur industriellen Revolution im 19.Jahrhundert war das Leben der Mehrheit der Menschen von der Landwirtschaft geprägt. So entspricht auch Mohorn einem typischen Bauerndorf, welches allerdings die fürs Leben notwendigen gewerblichen Produkte zum Teil selbst herstellte. Aus dieser Spezialisierung heraus begann sich im 16. Jahrhundert Handwerk und Handel zu entwickeln. Einen Beleg dafür stellen die errichteten Mühlen im Ort dar: die Dorfmühle im unteren Teil des Ortes und die Semmelmühle, die in Richtung Helbigsdorf gelegen war. Ihren seltsamen Namen erhielt die Mühle durch ihre Funktion Brot und Semmeln für den Ort zu backen, um etwaige Brände im Ort zu vermeiden. Neben diesen beiden Mühlen existierten im 16.Jahrhundert noch weitere dorftypische Gewerke in Mohorn wie Glaser, Schuster, Schmied, Zimmerleute, Tischler, Salzhändler, Sattler u.a., die vor allem für den täglichen Bedarf in der Gemeinschaft produzierten. In Grund setzte die Entwicklung hin zum gewerblichen Bereich vor allem mit dem Bergbau ein, weil sich durch die hier tätigen Bergleute ein erhöhter Bedarf ergab. Wie in Mohorn befanden sich auch in Grund zwei Mühlen. Die Obere Mühle, auch Hintermühle genannt, diente vor allem zum Schroten und Mahlen des Getreides. Auch Brot wurde hier gebacken.1 Es ist die wohl älteste Mühle in Grund, die allerdings unter verschiedenen Bezeichnungen entsprechend ihren Eigentümern bekannt geworden ist.



So hieß sie nach ihren Besitzern z.B. 1760 Wetzlich- Mühle oder Großmanns Mühle. Ab 1873 bis 1954 diente diese Mühle – nun als Erler- Mühle oder Noack- Mühle bezeichnet- als Brett-und Sägemühle. Diese Mühle veranlasste Prof. Meiche in seinem Mühlenbuch zu einer heute wunderbar klingenden Mühlenpoesie : „Das stattliche Anwesen der Erlermühle zeigt ein schönes großes Fachwerkhaus, ein glitzerndes Mühlwasser, das schäumend in die Tiefe stürzt, den Mühlschuppen mit gestapelten frisch geschnittenen Brettern, das Ganze traulich beschattet von einer hohen Linde. Alles das lockt zum Verweilen […]“2 Konrad Noack nutzte die Mühle noch bis 1960. 1962 erwarb das Schamotte- Kombinat Brandis die Mühle und nutzte sie nach Umbauten als Kinderferienlager „Albert Kunz“.3 Nach 1980 wurde das Sägemehlgebäude und die Verrohrung des Mühlgrabens abgerissen. Heute befindet sich in der Mühle eine Pension. Dank des früheren Besitzers Herrn Andreas wurde 2000 der Mühlgraben wieder freigelegt und der Einbau eines Mühlrades vorgenommen.


Die zweite Mühle in Grund, die Nieder- oder Hammermühle, wurde von Max Starke errichtet und diente insbesondere als Schneidemühle für Grubenholz. Sie soll bereits 1560 als Mühle bestanden haben, aber dann durch die Entwicklung des Bergbaus eine besondere Funktion erhalten haben. Im 20.Jahrhundert erlebte die Mühle eine wechselvolle Geschichte. So erwarben Magda Müller und ihr Sohn, der Generaldirektor Hermann Eugen Müller, die Mühle von einem Müller namens Heinrich Pfeiff. Müller nutzte das Haus und Gelände zu Erholungszwecken, begann hier aber dann mit der Zucht wertvoller Karakulschafe und legte 4 Teiche für die Forellenzucht an. Am 27.Januar 1942 erhielt der Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen e.V. in Ergänzung zur BDM- Haushaltungsschule der NSDAP das Objekt. Als Bodenreformland enteignet entstand zunächst in einer Holzbaracke ein kleines Unternehmen, welches bis heute ein Kennzeichen für Mohorn-Grunder Handwerks-und Gewerbetradition darstellt: die Firma Zwetz- Räuchermittelfabrik. Mehr zur Geschichte von Handwerk und Gewerbe auf den Spuren durch Mohorn und Grund erfahren Sie in einem Heimatheft anlässlich der 750-Jahrfeier des Ortes.

Renate Hänsel/Kerstin Sachse

Fotos:
Erlers Mühle in Grund: Lichtbildaufnahme von Fritz Eckardt, Dresden. In: Prof. Alfred Meiche: Ein Mühlenbuch, Dresden 1927, S. 164
Mühlrad Blaue Mühle: Sachse privat


14. Teil: Handwerk und Gewerbe nach 1945: der Neubeginn

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand im November 1946 eine Überprüfung sämtlicher Gewerbe-und Handelsbetriebe in Mohorn statt. Diese erfolgte auf der Grundlage einer Anordnung des Landesarbeitsamtes vom 12.3.1946. Insgesamt wurden 101 Gewerbe- und Handelsbetriebe des Ortes überprüft, in welchen 212 Beschäftigte tätig waren. Folgende Branchen konnten damals nachgewiesen werden:

Eisen- und Metallwarenbranche
Holzbearbeitung
Nahrungs- und Genussmittelherstellung
Bekleidungsgewerbe
Bau-und Baunebengewerbe
Gaststätten
Handelsgewerbe
10
16
8
18
5
4
26

Weitere 14 Gewerbe beziehen sich auf Gärtnerei, Elektrotechnik, Leder-, Friseur- und Fuhrgewerke. Die Überprüfung erfasste neben Beschäftigungszahl auch den Quartalsumsatz und die Parteizugehörigkeit des Handwerksbesitzers.1 Entsprechend dieser Auflistung existierten durchaus noch größere Gewerbe in der Gemeinde, so z.B. Edwin Flemming, der ein Installateurunternehmen zum Bau von Blitzschutzanlagen mit 16 Angestellten führte. Erich Koch beschäftigte in seinem Unternehmen zur Herstellung und Großhandlung mit chemischen, kosmetischen und pharmazeutischen Erzeugnissen 9 Mitarbeiter und die Molkerei Mohorn hatte zu dieser Zeit 78 Beschäftigte in Lohn und Brot. Zu nennen wären laut Erfassung noch Arno Tränkner, der in seiner Kraftfahrzeugwerkstatt 6 Angestellte hatte. Der Gartenbaubetrieb Karl Taubert wies 4 Arbeiter auf, ebenso die Installations-und Klempnerfirma von Otto Andree. Alle anderen Gewerbebetriebe verfügten über 1 bis 3 Angestellte oder arbeiteten allein. Die Erfassung aller Gewerbebetriebe in der Gemeinde Mohorn könnte in engem Zusammenhang mit dem Beschluss der Sowjetischen Militäradministration von 1946 gestanden haben, Handwerkskammern zu gründen. Letztendlich folgte 1950 das Gesetz zur Förderung des Handwerks und die damit verbundene Beschränkung des Privathandwerks auf Kleinbetriebe sowie die Gründung der Landeshandwerkskammer der DDR. Darum erweist sich eine Überprüfung der Gewerbe-und Handelsbetriebe nicht nur aus steuerrechtlicher Sicht als logisch. Den Unterlagen nach bezog sich die Erfassung aber auch auf eine Kontrolle bezüglich der Rechtmäßigkeit des Erwerbs von Lebensmittelkarten. Beispielgebend für ein Handwerk, welches rückwirkend bis 1876 in Mohorn ansässig war, ist die Klempnerei Andree.

 
Gebäudekomplex ehemals Klempnerei Andree, dann Korb  
 
  Firmenlogo Korb

Klempnermeister Robert Otto Andree überträgt 1919 das Gewerk auf Rudolph Otto Andree, der 1919 aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrte. Im Januar 1961 führte dann Lothar Korb als Installateurmeister das Handwerk in die neue Zeit. Eine historische Zeitreise durch Mohorns Handwerks- und Gewerbehäuser wird zur 750-Jahrfeier vorbereitet.

Anmerkung: Für kleine Erinnerungsgeschichten, ob zur Molkerei, Wäscherei oder Begegnungen mit der Werkstatt Franz oder vielen anderen Handwerks-und Gewerbetreibenden wären wir dankbar.

Renate Hänsel/Kerstin Sachse


15. Teil: Die Molkerei Mohorn

Drei Standorte in Mohorn verweisen auf die Tradition des Molkereigewerbes. So wurde seit 1913 zunächst im ehemaligen Weidegut und dann ab 1928 in der alten Molkerei hinter dem Gasthof „Zum Landstreicher“ Milch verarbeitet und gehandelt. An Stelle der alten Molkerei befindet sich heute eine Brache.


Der Molkereibesitzer Raimund Lorenz kaufte zur Erweiterung seines Unternehmens 1937 ein größeres Grundstück zwischen Dittmannsdorf und Steinbach auf. Ursprünglich diente das Grundstück bis zum frühen 19.Jahrhundert dem Bergbau. Die Schachtanlage „Zum Erzengel Michael“ erlebte dann eine wechselvolle Geschichte bedingt durch den ständig wechselnden Besitzstand, bis schließlich die Firma „Molkerei F.Lorenz K.G.“ auf dem Erzengel eine neue und größere Molkerei errichtete.


Da der neue Standort abseits vom Hauptort lag, waren zahlreiche Investitionen von Nöten, so z.B. für den Bau eines Abzweiges Richtung Steinbach, Wasserleitungen und ein Kesselhaus mit Dampfmaschine für die nötige Betreibung der Maschinen.1 Im August 1939 wurde die Molkerei bezogen, wodurch auch für die Mohorner Bewohner eine neue Erwerbsmöglichkeit geschaffen wurde. Die Produktion konzentrierte sich auf die Herstellung von Butter, Quark, Camembert und Ziegenkäse. „Der Gute Mohorner“ oder auch „Die Mohorner Friedel“, ein vollfetter Camembert, waren begehrte Produkte.


Da nach Kriegsende die Rohmilchanlieferung kontinuierlich stieg, mussten Erweiterungsbauten vorgenommen werden. So entstand 1946 ein neues Kesselhaus mit einem 25 Meter hohen Schornstein. Der Firmenbesitzer kaufte außerdem 1945 eine Straßenbreite Land vom Abzweig Dittmannsdorf- Steinbach und ließ eine mit Straßenpflaster befestigte Straße vom Pfarramt Mohorn direkt zur Molkerei anlegen.2 Auch der Fuhrpark erhielt ein neues Garagengebäude für die drei volkseigenen LKW’s, die die Milch auch aus benachbarten Orten wie z.B. Naundorf in Kannen zur Molkerei transportierten. Um 1949 erfolgte dann an den neuen Garagenbau noch der Bau einer Rohmilchzuckeranlage. Karin Schrepel, deren Vater nach dem Krieg in der Molkeküche der Molkerei tätig war, erinnert sich daran, dass der Molkezucker süßlich schmeckte. Auch erzählte sie, dass die Molke heiß aus den Rohren lief, der gewonnene Molkezucker auf Blechen getrocknet und dann gesackt nach Dresden gebracht wurde. Der aus der Käsemolke gewonnene Rohmilchzucker wurde exportiert und auch in der DDR selbst als Grundmaterial in der Medikamentenherstellung benutzt. 1953 lag die Milchanlieferung bereits bei beachtlichen 25000kg täglich.3 Die Molkerei wirtschaftete bis Mai 1953 als Privatbetrieb, dann übernahm ein staatlich eingesetzter Treuhänder bis Ende August 1953 das Unternehmen.4 Ab 1.9.1953 wurde der Betrieb als Pachtbetrieb des Rates des Kreises Freital als volkseigener Betrieb geführt. Nach einem Jahr Selbstständigkeit als VEB Molkerei Mohorn erfolgte ab dem 1.1.1960 der Anschluss an die VEB Dresdner Michwerke. Damit war das Mohorner Werk jetzt auch für die Trinkmilchversorgung der Stadt Dresden mitverantwortlich. Milchtanks zur Stapelung von Milch wurden aufgestellt. Die Milch, die nicht zur Versorgung der Bevölkerung gebraucht wurde, verarbeitete das Unternehmen zu Speise- und Sauermilchquark sowie zu Schichtkäse. Bedingt durch die Kollektivierung und die damit verbundene Einrichtung von landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften setzte sich zunehmend die Großraumwirtschaft und die Errichtung von Großviehanlagen durch. Die damit verbundene Steigerung der Milchproduktion bedurfte auch in Mohorn eine Erweiterung, um die Milch verarbeiten zu können, die inzwischen in Tankfahrzeugen angeliefert wurde. So baute man die Garagengebäude in einen Produktionsraum um. Zu den traditionellen Produkten der Molkerei kam 1975 ein neues Erzeugnis hinzu: die Frische Rahmbutter, die nur 45% Fett enthielt. Entwickelt wurde das Produkt in Oranienburg im Institut für Milchforschung der DDR. Jeder Bezirk hatte nur eine Produktionsstätte zur Herstellung dieser Marke. Das Werk in Mohorn war dafür durch die Dresdner Milchwerke ausgewählt worden. Dies hieß nun für die Beschäftigten 2-Schicht-System und eine tägliche Verarbeitung von ca. 75000 kg Milch-und Rahmanlieferung.
Nach jahrzehntelanger erfolgreicher Produktion und Firmengeschichte entschied das Milchwerk Dresden im März 1990 die Produktion in Mohorn einzustellen, während sich die Frische Rahmbutter mit 45% Fettgehalt seit 2016 unter dem Namen „die Frische Sahnige“ im Handel hält.

Kerstin Sachse/Renate Hänsel


16. Teil: Geschichte der Schmalspurbahn Wilsdruff - Nossen

Teil 1: Der Anschluss Der Gemeinde Mohorn an das Netz der Eisenbahn

Im Umkreis des Wilsdruffer Landes existierten im Jahr 1885 schon die normalspurigen Eisenbahnstrecken von Dresden über Meißen nach Nossen, von Dresden über Tharandt nach Freiberg und von Freiberg nach Nossen. Die ländlichen Gemeinden innerhalb dieses Gebietes wollten auch am Vorteil des Eisenbahn-Anschlusses teilhaben.

Bereits Im Jahre 1881 traten in Mohorn und Nossen, später auch in Limbach „Eisenbahn Comitees“ zusammen, um den Eisenbahnbau in diesem Gebiet voranzutreiben. Ein normalspuriger Bahnanschluss wurde von der Sächsischen Staatsregierung abgelehnt. Nach dem Erlass des Sächsischen Sekundärbahnengesetzes von 1878 kam der Gedanke an den Bau einer schmalspurigen Nebenbahn mit 750 mm Spurweite auf. Der Betrieb einer solchen Bahn war einfacher und billiger, die Baukosten und der Geländebedarf waren geringer, da sich eine Schmalspurbahn besser an das Gelände anpasst.

Am 30. September 1886 konnte die 10,9 km lange Schmalspurstrecke von Potschappel nach Wilsdruff feierlich eröffnet werden. Die Gemeinden im Umland verstärkten nun auch ihre Bemühungen zum Weiterbau. Schließlich fand im April 1896 eine Variante die Zustimmung des Sächsischen Landtages. Die Einigung bestand auf dem Weiterbau von Wilsdruff über Birkenhain-Limbach, Helbigssdorf, Herzogswalde, Mohorn, Dittmannsdorf, Reinsberg, Obergruna-Biberstein, Siebenlehn mit Anschluss an die Hauptbahn in Nossen. Diese Streckenführung ließ ein höheres Personen- und Frachtaufkommen erwarten.


Die Vorarbeiten und Planungen verzögerten sich und erst Anfang 1898 konnte der Bahnbau beginnen. Die Arbeiten verliefen dann aber zügig. Innerhalb eines Jahres wurde die Trasse von Wilsdruff bis Nossen über Mohorn mit einer Länge von 27,9 km fertiggestellt. Viele einheimische Arbeiter aber auch einige Italiener fanden beim Bahnbau Arbeit und Lohn. Monatlich waren etwa 900 Arbeitskräfte tätig, in den Sommermonaten bis zu 1270 Personen.

Am 31. Januar 1899 wurde die neue Bahnverbindung mit einem Sonderzug unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der anliegenden Gemeinden feierlich von Nossen nach Wilsdruff und wieder zurück eröffnet.
Mit der Inbetriebnahme der Gesamtstrecke von Potschappel nach Nossen stieg die Beförderungsleistung der Bahn bis zum 1. Weltkrieg stetig an. Die höchsten Transportleistungen erreichte die Bahn 1935 bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges, dann ging es rapide abwärts.


Der Personenzug darf von Mohorn in Richtung Wilsdruff weiterfahren -1972-

In den ersten Nachkriegsjahren waren die Züge als sogenannte Hamsterzüge übervoll besetzt. Die Stadtbevölkerung fuhr damit aufs Land, um etwas Essbares zum Überleben einzutauschen. Die Arbeiterzüge waren von Mohorn bis Wilsdruff voll, weiter bis Freital-Potschappel übervoll.
Anfang der 1960ger Jahre setzte sich immer mehr der Kraftverkehr bei der Personen- und Güterbeförderung durch. Der Individual-Verkehr mit Pkw und Motorrad trat immer mehr in den Vordergrund. Damit ging die Rentabilität der Schmalspurbahn immer schneller zurück. Die Gleisanlagen bekamen seit Jahren keine grundlegende Unterhaltung mehr, es erfolgten nur noch notdürftige Reparaturen. Die Fahrzeiten verlängerten sich. Der Güterverkehr von Potschappel nach Mohorn endete am 01.02.1972. Die Fahrzeiten der Personenzüge betrugen auf dieser Strecke zuletzt 1 Stunde und 45 Minuten. Der Bus schaffte das in 55 Minuten. Das bedeutete dann am 27. Mai 1972 das Aus für den Reiseverkehr auf der gesamten Bahnlinie. Bis 1978 endete der Gleisrückbau im Bahnhof Mohorn.

Günter Elsner


17. Teil: Geschichte der Schmalspurbahn Wilsdruff - Nossen
Teil 2: Der Bahnhof Mohorn mit seinen Nebengebäuden sowie seiner Gleisanlagen gestern und heute


Am 31. Januar 1899 wurde der Anschluss an die neue Bahnverbindung zwischen Wilsdruff und Nossen  auch unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von Mohorn feierlich eröffnet.

Der Bahnhof Mohorn war schon zur Eröffnung großzügig ausgebaut und später waren keine größeren Umbauten nötig. Die notwendigen Bahnhofsgebäude waren alle bis 1900 fertig gestellt. Das Empfangsgebäude ist großzügig in roter Klinkerbauweise mit gelber Klinker-Eckverzierung errichtet. In der unteren Etage waren Diensträume und ein Warteraum. In der ersten Etage und im Dachgeschoss befanden sich Dienstwohnungen. An der Nossener Straße steht noch ein Haus in gleicher Klinkerbauweise mit zwei Dienstwohnungen.


Vor dem Empfangsgebäude vom Bahnhof Mohorn sind schöne Rosenrabatten angepflanzt – etwa 1966-

Am anderen Bahnhofsende steht ein großer zweigleisiger Lokschuppen in Ziegel-Fachwerkbauweise. Dort konnten 4 Lokomotiven abgestellt werden. Außerdem befanden sich dort Werkstatt, Schmiede, Sanitärräume und zwei Unterkünfte für auswärtiges Personal. Für den Güterverkehr bestand eine Ladestraße und eine Laderampe, an deren Ende sich der Güterschuppen befand. Dort wurden ankommende Güter zwischengelagert.
Von dem Ladegleis zweigte noch ein Anschluss zum Landwarenhandel, später Raiffeisenbank/BHG ab. 1,1 km in Richtung Dittmannsdorf existierte ein Gleisanschluss zu einer Ziegelei. Der Betriebsanschluss wurde vom Bahnhof Mohorn aus befahren. Die Ziegelei hat mit Großbahnwagen Kohlenstaub erhalten, der zum Brennen der Ziegel benötigt wurde. Fertige Ziegel kamen auf gleichem Weg dann zum Versand. Die Gebäude der Ziegelei brannten im Krieg 1945 ab und wurden nicht wieder aufgebaut. Kurz nach Kriegsende wurde das Gleis abgebaut und das Material anderweitig wiederverwendet.

Bis 1978 endete der Gleisrückbau im Bahnhof Mohorn. In die Diensträume der Stationsverwaltung baute die Deutsche Reichsbahn eine Wohnung für Bahnmitarbeiter.


Lokschuppen und Güterschuppen werden nach der Betriebseinstellung vorerst nicht mehr benötigt – 1973 -

Der Lokschuppen erhielt die Funktion einer Garage für zwei Linienbusse des VEB Kraftverkehr Dresden. 1985 mietete sich der Modelleisenbahnclub in die Personalräume im Obergeschoss ein. Im Jahr 2011 erlebte der Lokschuppen eine große Sanierung. Daraus entstand unter Beibehaltung der äußeren Erscheinung ein Dorfgemeinschaftshaus für Veranstaltungen unter Leitung des Carnevalvereins von Mohorn.

Der Gleisbereich wurde beräumt. Aus dem Güterschuppen entstand ein neues Feuerwehrdepot für die Freiwillige Feuerwehr Mohorn mit großer Freifläche unter anderem für Übungen. Auf einem großen Teil des Bahnhofsgeländes entstanden 27 neue Einfamilien-Reihenhäuser.
Die ehemalige BHG-Straße  wandelte sich zu einer kommunalen Straße und zu Rad- und Wanderwegen.
Damit ist der Abschnitt Eisenbahn Geschichte.

Wer mehr über die Geschichte dieser Schmalspurbahn, vor allem über deren Personen- und Warentransporte, erfahren möchte, kann das in der Festschrift, die anlässlich der 750 Jahrfeier der Ersterwähnung von Mohorn im Jahr 2017 erscheint, und in den angegebenen Quellen nachlesen.

Günter Elsner

Quellen:
Peter Wunderwald, Das Wilsdruffer Schmalspurnetz, 1992
Roland Göhler, Chronik, Mohorn in sieben Jahrhunderten, 1994
Fotos von Günter Elsner


18. Teil: Der Hüttenchemiker Bergrat Gottfried Pabst von Ohain  (1656-1727) ein bedeutender Sohn Mohorns
Teil 1: Aufsicht über einen Goldmacher


Gottfried Pabst wurde als Sohn des Schuleiters Gottfried Pabst in Mohorn geboren und am 30. März 1656 getauft. Er war ein Urenkel des Gelehrten Michael Bapst, der als Pastor und Kantor die für die Region bedeutende Mohorner Privatschule mit Pension für die Söhne seiner Amtsbrüder und wohlhabender Familien seiner Umgebung begründete. Der junge Gottfried hat die Schule bei seinem Vater besucht. In jener Zeit stellten die Häuser der evangelischen Pastoren geistige Zentren dar. Der lernwillige, aufgeweckte und fantasiefähige Junge fand in seinem Elternhaus sicher einen reichen Fundus an Büchern zu vielen Wissensgebieten und wird im Silbergrund betriebene Gruben besichtigt und sich mit der Gewinnung der Erze vertraut gemacht haben.
Zur Vorbereitung eines Universitätsstudiums wurde Gottfried Pabst am 25. November 1669 in die Freiberger Lateinschule aufgenommen, in der sich jetzt das Stadt- und Bergbaumuseum befindet. Nach Abschluss der Lateinschule oder schon in der Schulzeit nahm Pabst Unterricht im Markscheidewesen und in der Probierkunst, bei der man die chemische Bestimmung der Gehalte an wertvollen Metallen im Erz und den Hüttenprodukten durchführte. Gottfried Pabst hatte sich am 21. 7. 1678 an der Universität Wittenberg als Gottfried Pabst von Ohorn aus Meissen eingeschrieben. Nach Abschluss seiner Studien führte ihn eine Kavaliersreise durch Europa, bei der er Hofmeister zweier Söhne des Generals von Klengel war. Pabst war anschließend für den französischen Hof tätig und besuchte Bergwerke im südlichen Elsass.
Nach seiner Reise durch Westeuropa kam er wieder nach Freiberg und seine Bekanntschaft mit Abraham von Schönberg brachte ihn in leitende Positionen im sächsischen Staatsdienst. Er hatte als Wardein in letzter Instanz Gehalte an Metallen in Erzen, Hüttenprodukten oder Münzen zu bestimmen, wurde 1698 Zehnder, dann Oberzehnder, im Jahr 1702 zum Bergrat und 1705 zum Oberbergamtsassessor berufen.
Als August der Starke in Geldnot war, ließ er den Alchimisten Friedrich Böttger, der vom preußischen Hofe geflohen war, im Haus seines Statthalters Fürstenberg zusammen mit Pabst einschließen. Pabst sollte Böttger erst überwachen und danach unterstützen, da er als ausgebildeter Hüttenchemiker Böttger mit Apparaten und Chemikalien versorgen, am besten die Gehalte an Gold  bestimmen und betrügerische Ergebnisse am ehesten erkennen konnte. Pabst hatte dabei als Bergbeamter neben der Aufsicht von Böttger noch umfangreiche Aufgaben in Freiberg zu erfüllen. Nach einigen Jahren beschrieb Pabst von Ohain die Unmöglichkeit eines Erfolges bei der Umwandlung unedler Metalle in Gold. Deshalb wurde 1706 neben den Versuchen mit Gold Arbeiten zur Herstellung von Porzellan begonnen.

Siegfried Niese

Quellen:
Abb.: Oberbergamt in Freiberg



19. Teil: Der Hüttenchemiker Bergrat Gottfried Pabst von Ohain (1656-1727) ein bedeutender Sohn Mohorns
Teil 2: Mitwirkung bei der Erfindung des Meissner Porzellans

Auch bei den Versuchen zur Herstellung von Porzellan wurde Pabst mit der Betreuung beauftragt. In der Jungfernbastei in Dresden wurde dafür ein alchimistisches Laboratorium und für Böttger eine Wohnung eingerichtet.
Bereits zur Jahreswende 1707/1708 wurde ein rotes keramisches Material erhalten, das als Böttgersteinzeug bekannt wurde. Bei den folgenden Experimenten wurde eisenarmer Ton aus Colditz und Gips aus Nordhausen verwendet und damit das erste weiße Porzellan erhalten. Im Juli 1708 schickte Pabst die im wesentlichen aus Kaolin bestehende Weiße Erde vom Heidelsberg bei Aue nach Dresden und schlug deren Einsatz vor, woraufhin Böttger das Meißner Porzellan verbessern und am 28. 3. 1709 dem König die Erfindung des Porzellans melden konnte. Daraufhin wurde in Meißen in der Albrechtsburg die Porzellanmanufaktur zur Aufnahme der Serienfertigung eingerichtet. Die Anfangs beobachtete Rissigkeit des Brenngutes verschwand als 1724 die Lagerstätte von Feldspat  „Stein von Siebenlehn“ gefunden wurde. Aus dem Kalkporzellan Böttgers wurde damit das jetzt noch hergestellte Feldspatporzellan. Da man zu jener Zeit die Zusammensetzung des chinesischen Porzellans nicht analysieren konnte und das erhaltene europäische Porzellan eine andere Zusammensetzung hat, stellt das Meißner Porzellan eine besondere Erfindung dar.
Gottfried Pabst hatte 1704 ein zerstörtes Vorwerk von Freiberg mit Ländereien gekauft und dort ein Gutshaus errichtet. Er wurde von August II. mit dem aus der Stadt ausgegliederten Gutsbezirk Gottfriedsburg belehnt, ihm wurde Gerichtsbarkeit und Unterstützung beim Aufbau gewährt und er wurde seitdem in offiziellen Schriftstücken Gottfried Pabst von Ohain genannt. Die dortige Schule trägt den Namen „Gottfried Pabst von Ohain“. Seit 2014 trägt auch eine Straße in seinem Geburtsort Mohorn seinen Namen.
Gottfried Pabst von Ohain starb am 22. Juli 1729 und wurde im Kreuzgang des Freiberger Doms beigesetzt. Sein Sohn Carl Eugenius Pabst von Ohain (1718 – 1784) war Mineraloge, Oberberghauptmann Freiberg und Kurator der Bergakademie in Freiberg.

Siegfried Niese

Hinweis: Der Text ist eine Zusammenfassung von: Siegfried Niese, Bergrat Gottfried Pabst von Ohain,Heimathefte Mohorn/Grund Heft 4, Ortschaftsrat Mohorn, 2014.

Quellen:
Foto: Herrenhaus zum Kanzleigut von Gottfried Pabst von Ohain



20. Teil: Straßengeschichte von Mohorn und Grund
Teil 1: Hochmittelalter bis 1900

Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Jubiläum von Mohorn lohnt es sich, einen Blick zurück auf die Geschichte der Straßen in und um Mohorn zu werfen.
Bereits in der Zeit des Hochmittelalters existierte ein Wegenetz, das den Siedlern auf dem heutigen Gebiet von Mohorn den Austausch mit den benachbarten Siedlungen ermöglichte. Gleichzeitig bestanden auch dem Fernverkehr dienende Straßen, die jedoch mit dem heutigen Straßenbegriff nicht erfasst werden können. Vielmehr handelte es sich um Wegebündel, die aus einer Vielzahl von in mehr oder weniger großer Entfernung laufenden Saumpfaden, Reit- und Karrenwegen bestanden [1]. Für den Handelsverkehr gab es sie bereits vor der Besiedlung Sachsens [1]. Mohorn lag dabei im Zug der Frankenstraße, die im Raum Zwickau von der aus Hof kommenden Via Imperii abzweigte, weiter über die heutigen Städte Chemnitz, Freiberg, Dresden und Bischofswerda nach Bautzen führte und dort auf die Via Regia traf [2].
In der Zeit der Ersterwähnung Mohorns entstand eine weitere bedeutende Straße. In Scharfenberg nahe Meißen begann um 1225 der Abbau der Silbervorkommen. Ihre Verhüttung vor Ort war nicht möglich, so dass das Erz in die Hütte nach Freiberg gebracht werden musste. Es entstand die Silberstraße, deren Name das Ende des Bergbaus überdauerte und heute als Straßenname in Mohorn den Verlauf kennzeichnet: Die Silberstraße erreichte von Helbigsdorf an der Semmelmühle vorbei über den Semmelberg Mohorn [4]. Weiter führte die Silberstraße den Heidelberg hinauf in Richtung Hutha [5].
Die Bedeutung der Straße durch Mohorn wuchs schlagartig, als Dresden 1505 zur Residenzstadt gewählt wurde. In dieser Zeit verlief die Straße von Grumbach kommend nördlich der heutigen B 173, an der Kirche von Herzogswalde vorbei über die Anhöhe bis in Schmieders Graben, von dort weiter durch Grund über die heutige „Alte Poststraße“ nach Hutha. Mohorn hatte ein Hauptgeleite [5]. Hier konnten Kaufleute und Reisende bewaffnete Knechte zum Schutz oder Vorspannpferde zur Überwindung von Steigungen mieten, mussten aber auch die Straßengebühren entrichten.
Die Straßen des Mittelalters und der Renaissance waren nicht befestigt. Das erklärt die Notwendigkeit paralleler Straßenäste, denn je nach Witterung dürften einige von Ihnen völlig zerfahren und für Fuhrwerke unpassierbar gewesen sein. 1661 erreichten die Klagen über die Zustände von Straßen und Brücken den Sächsischen Landtag. Daraufhin wurde festgelegt, dass der Geleit gebende Grundherr für die Erhaltung der Straßen in seinem Gebiet zuständig ist, denn er kassierte ja auch die Gebühren [1].
Ein bedeutender Schritt zur Systematisierung des sächsischen Straßennetzes wurde 1718 gegangen, als Adam Friedrich Zürner seine „Neue Chursächsische Post-Charte“ vorlegte [3]. Er hatte im Auftrag August des Starken mit damals modernsten Methoden eine Vermessung des Straßennetzes vorgenommen [1]. In der Folge konnten von 1721 bis 1742 flächendeckend entlang der Postkurse Viertelmeilensteine, Halb- und Ganzmeilensäulen aufgestellt werden [1], [9]. Der Postkurs von Dresden nach Freiberg führte von 1693 bis 1832 über den Postwechsel Herzogswalde (hier wurden die Kutschpferde gewechselt) durch Mohorn, weiter nach Grund und die „Alte Poststraße“ zur Poststation Hutha [10]. 1745 baute Straßenmeister Altermann aus Keilbusch die Straße durch Mohorn aus [5]. Die Poststraße Dresden – Freiberg folgte nun dem Verlauf der heutigen B 173 [11].
Nach dem Straßenbaumandat von 1781 wurden die Staatsstraßen chausseeartig ausgebaut und befestigt. Der Siebenjährige Krieg verzögerte wegen fehlender Finanzen zunächst die Entwicklung, so dass nennenswerte Fortschritte erst nach 1800 sichtbar wurden. Um 1810 wurden, auch durch den Einfluss Napoleons, die alte Frankenstraße Hof – Zwickau – Chemnitz – Freiberg – Dresden – Bautzen und die anschließende Hohe Straße Bautzen – Weißenberg – Görlitz ausgebaut. Der Ausbau umfasste nicht nur eine Makadambefestigung (nach McAdam), sondern auch eine Neutrassierung in Lage und Höhe. Erkennbar sind diese Chaussierungen noch heute vielerorts durch schnurgerade, auf den nächsten Kirchturm ausgerichtete Linienführung [1]. Zur Finanzierung des Straßenausbaus wurde ab 1789 bis 1885 Chausseegeld erhoben. In Mohorn gab es an der Einmündung der Silberstraße [5] (heute Freiberger Straße 32) ab 1812 [4] ein entsprechendes Einnehmerhaus.

Trotz der nun gut ausgebauten Chaussee verlor Mohorn bald seine direkte Postverbindung. 1832/33 verlegte man die Posthalterei von Herzogswalde nach Tharandt. Die Postkutsche fuhr jetzt auf der ebenfalls ausgebauten Chaussee über Grillenburg nach Freiberg [12].

Dr. Tobias Lerch
 

[1] Autorenkollektiv: Straßenbau in Sachsen. Hrsg.: Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, Dresden 2000.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Frankenstraße_(Sachsen) (01.11.2016).
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesstraße_173 (01.11.2016).
[4] Jeschke, Horst: Ortschronik Helbigsdorf, Jahr 600 bis 2010. o. V. Leipzig 2010
[5] Göhler, Roland: Mohorn in sieben Jahrhunderten. Hrsg.: Gemeindeverwaltung Mohorn, 1994.
[9] Kaiser, André: Vom Pilgerweg zum Postkurs der Dresden-Freiberger Chaussee. In: Rund um den Tharandter Wald, Amtsblatt der Stadt Tharandt, 10. Jg., Heft 1/2008.
[10] Atlas Augusteus Saxonicus, Landesaufnahme unter A.F.Zürner, 1711-1742. http://www.deutschefotothek.de/cms/kartenforum-sachsen-vor1850.xml (01.11.2016).
[11] Meilenblätter von Sachsen, 1:12000, 1780-1806. http://www.deutschefotothek.de/cms/kartenforum-meilenblaetter-alle.xml (01.11.2016).
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Tharandt (01.11.2016).
[17] Jahresrückblick Baumaßnahmen 2009. In: Amtsblatt Wilsdruff, Ausgabe 02/2010.







21. Teil: Straßengeschichte von Mohorn und Grund
Teil 2: 1900 bis zur Gegenwart


Ab 1900 begann sich das Kraftfahrzeug auszuwirken, sein Anteil am Verkehrsaufkommen erreichte 1920 die 50-%-Marke. Die höheren Fahrgeschwindigkeiten führten bald zu unerträglichen Staubbelastungen und neuartigen Schäden an den Landstraßen. Auf Initiative von Ministerialrat Dr. Speck, Vorstand der Straßenbaudirektion im Sächsischen Finanzministerium, wurden ab 1926 umfangreiche Mittel zur Anpassung des Staatsstraßennetzes an die Anforderungen des Kraftfahrzeugverkehrs bereitgestellt, insgesamt 120 Millionen Reichsmark über 6 Jahre. Die Auswirkungen dieses Finanzierungsprogramms waren erheblich: 1926 hatten noch 90 % der Staatsstraßen Schotterdecken, Ende 1931 waren 93 % der überörtlichen Straßen mit gebundenen Deckschichten (Pflaster-, Asphalt- und Tränkmakadamdecken) versehen [1].

Das Finanzierungsprogramm wirkte sich auch auf die Straßenverhältnisse in Mohorn aus. Die Ortsdurchfahrt bekam eine Kleinpflasterdecke, und der Abschnitt zwischen der Tännichtmühle und dem Ortseingang wurde von der Hanglage auf die Sohle des Triebischtals verlegt [5]. Da die alte Straßenführung als Wirtschaftsweg erhalten blieb, besteht hier die seltene Gelegenheit, ein Stück Landstraße aus der Postkutschenzeit im Original zu besichtigen.



Am 14. September 1934 konnte außerdem eine im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen neugebaute Verbindung zwischen der Silberstraße an der Semmelmühle und Herzogswalde eröffnet werden. Bisher bestand hier lediglich ein Fußweg im Triebischtal [4].
Ab 1932 erhielten die überregionalen Straßenzüge eine Numerierung als Fernverkehrsstraßen (FVS). Durch Mohorn führte nun die dem Grundnetz zugeordnete FVS 7, ab 1934 Reichsstraße 7. In diesem Zusammenhang wurden auch die noch heute üblichen gelben Schilder eingeführt. 1936 wurde aus der R 7 die R 173 [3].
Erhebliche Zerstörungen entstanden an Straßen und Brücken mit dem Hochwasser vom Juli 1958. U. a. wurden die Brücken in Mohorn am Abzeig nach Grund und am Abzweig nach Helbigsdorf Opfer der Triebisch. Beide Brücken wurden jeweils neben den alten Steinbogenbrücken durch moderne Betonbauten ersetzt [5].
1976 [5] wurde die Kleinpflasterdecke auf der jetzigen F 173 mit Asphalt überbaut. Die Erhaltung der Asphaltdecke wurde in den 1980er Jahren jedoch zunehmend durch die Verknappung des Bitumens (Verfügbarkeit um 1980 auf 8 % der Vorjahre!) infolge der in der DDR besonders spürbaren Erdölkrise erschwert [1]. Nach 1990 verdrängten die Arbeiten zum Ausbau der nunmehrigen Bundesautobahn A 4 zeitweise umfangreichen Verkehr auf die B 173. Im Zuge des Baus der Mohorner Abwasserleitung wurde erstmals ein Fußweg errichtet [5], der durchgängig einschließlich der Beleuchtung 2009 fertiggestellt werden konnte [17]. Die letzten größeren Baumaßnahmen an der B 173 fanden 2008 und 2016 statt.

[1] Autorenkollektiv: Straßenbau in Sachsen. Hrsg.: Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, Dresden 2000.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Frankenstraße_(Sachsen) (01.11.2016).
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesstraße_173 (01.11.2016).
[4] Jeschke, Horst: Ortschronik Helbigsdorf, Jahr 600 bis 2010. o. V. Leipzig 2010
[5] Göhler, Roland: Mohorn in sieben Jahrhunderten. Hrsg.: Gemeindeverwaltung Mohorn, 1994.
[9] Kaiser, André: Vom Pilgerweg zum Postkurs der Dresden-Freiberger Chaussee. In: Rund um den Tharandter Wald, Amtsblatt der Stadt Tharandt, 10. Jg., Heft 1/2008.
[10] Atlas Augusteus Saxonicus, Landesaufnahme unter A.F.Zürner, 1711-1742. http://www.deutschefotothek.de/cms/kartenforum-sachsen-vor1850.xml (01.11.2016).
[11] Meilenblätter von Sachsen, 1:12000, 1780-1806. http://www.deutschefotothek.de/cms/kartenforum-meilenblaetter-alle.xml (01.11.2016).
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Tharandt (01.11.2016).
[17] Jahresrückblick Baumaßnahmen 2009. In: Amtsblatt Wilsdruff, Ausgabe 02/2010.

Dr. Tobias Lerch


22. Teil: Aus der Geschichte der Ortsfeuerwehr Mohorn/Grund

Wie in der alten Chronik von 1889 berichtet wird, wurde Mohorn in früheren Jahren mehrfach von großen Bränden heimgesucht. Die älteste urkundlich belegte Feuersbrunst ereignete sich im Jahre 1548. Von dieser berichtet eine alte in einem Gemeindebuch eingeklebte Handschrift, dass in Ohorn bei Josef Schmidt im Backhaus ein Feuer ausbrach und hierdurch weitere neun weitere Höfe und das Erbgericht nebst der Schreiberei des Paul Müller ein Raub der Flammen wurden, welches auch die drei Gerichtsbücher verzehrten Das Erbgericht ist im Jahre 1742 wieder abgebrannt und mit ihm sieben weitere Höfe mit Nebengelassen.

Der letzte große Brand war im Jahre 1855. Im fielen 14 Bauernhöfe zum Opfer, so besagt es auch eine Inschriftentafel im Gut Schönberg. Seitdem ist unser Ort von solch großen Bränden verschont geblieben.

Eine Feuerspritze gab es in Mohorn schon 1798. Damals mussten alle Bürgen gemeinsam gegen den Brand auftreten. Am 2.Dezember 1885 wurde durch den Gemeindevorstand Naumann die „Freiwillige Feuerwehr“ in Mohorn gegründet. Laut Statistischer Bericht des Landesverbandes sächsischer Feuerwehren hatte der Ort 1700 Einwohner und gehörte zur Amtshauptmannschaft Dresden. Der Wehrleiter (damals Hauptmann) war Adolf Grötzschel, die Mannschaft (damals Corps) bestand aus 35 aktiven Mitgliedern. 1886 wurde eine neue Abprotzspritze angeschafft. Das Spritzenhaus war das kleine Nebengebäude vor der damaligen Post und Drogerie Rüdiger. Nach vorliegenden Protokollen der Ausschuss–Sitzungen des Feuerwehr-Verbandes Dresden und Umgebung wurden regelmäßige Inspektionen in der Feuerwehr Mohorn durchgeführt. In einem Protokoll der Versammlung der Feuerwehr mit den Inspektoren und der Gemeindevertretung von 1894 wurde das gute Einvernehmen zwischen der Gemeindevertretung und freiwilligen Feuerwehr lobend erwähnt.

In den folgenden Jahren war die Wehr bei 91 Bränden im Einsatz, davon waren 37 in Mohorn und Grund. Einen besonders schweren Einsatz hatten die Feuerwehrleute vom 06.-07.11. 1921. In der Mohorner Dampfziegelei war ein Großfeuer ausgebrochen in deren Folge die Ziegelei ausbrannte.

Die an die Wehr gestellten Anforderungen konnten mit der pferdebespannten Spritze nicht mehr erfüllt werden. So wurde beschlossen, ein Fahrzeug zu erwerben. 1932 wurde ein Transportwagen- TS 8 mit Automobilmannschaftswagen gekauft. Um diese Geräte kaufen zu können, erwarben 165 Einwohner Anteilscheine im Wert von 3850 Mark. Der noch fehlende Betrag wurde aus der Brandkasse der Gemeinde dazugelegt. Gleichzeitig entstand ein neues Spritzenhaus und einen Schlauchturm am Wettinplatz. 57 Mitglieder der Feuerwehr und Einwohner des Ortes haben 510 freiwillige Arbeitsstunden geleistet.


Jürgen Nönnig

Auf dem Foto von 1933 präsentieren sich folgende Kameraden:




Von oben erste Reihe:
Alfred Reichelt, Max Wagner, Max Jähmlich, Herbert Naumann

Zweite Reihe:
Martin Schüttauf, Rudolf Götze, Arthur Ranisch, Otto Andree
Albert Partzsch, Rudolf Ulrich

Dritte Reihe:
Alfred Liebschner, Arno Lindner, Willy Diersche, Alwin Hänsel

Vierte Reihe:
Unbekannt, Paul Franke, Kurt Bräuer, Oswin Hauswurz, Otto Golle, Gotthard Büttner, Edwin Krönert, Max Wittig, Walter Hempel, Oswin Liebschner, Hugo Meißner

Fünfte Reihe:
Alfred Gelfert, Ludwig Henker, Hermann Bauch, Oskar Rüdiger, Kurt Rüdiger, Kurt Wüstner, Arthur Kretschmar, Kurt Wagner, Hermann Zuschke

Sechste Reihe:
Rudolf Wittig, Hugo Schubert, Fritz Hempel, Arno Ranisch


Quellen:
Foto:
Chronik Mohorn von R. Göhler, Archivunterlagen Ortsfeuerwehr Mohorn




23. Teil: Feuerwehr
Teil 2


Ab März 1971 kam ein LF TS 8/ Robur LO 1880 A mit Schlauchanhänger zum Einsatz. Das Gerätehaus am Wettinplatz genügte auf Grund der Zahl der Angehörigen der FFW und der neuen Technik nicht mehr.

Durch die Stilllegung der Kleinbahnstrecke ergab sich die Möglichkeit, den ehemaligen Güterboden zum neuen Objekt der Feuerwehr umzubauen. Am 21.09. 1981 begann der Abriss des Güterbodens. In den Jahren 1982-84 fanden Bau- und Maurerarbeiten statt. Viele Stunden wurden von den Kameraden geleistet. Am 04.07.1984 wurde das Gebäude eingeweiht.

Zu den Heimat- und Schulfesten waren die Männer der Wehr immer vertreten. In der Zeit vom 17.5 -25.05. 1986 gab es eine Festwoche zu Ehren des 100jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr in Mohorn. Einen Höhepunkt stellte der Festumzug dar, in dem die Entwicklung der Feuerwehr in den 100 Jahren in mehr als 70 Bildern dargestellt war.

Die Mohorner Feuerwehr rückte meistens zu technischen Hilfeleistungen und Sturmschäden aus. Besondere Aufgaben ergaben sich immer wieder aus den Hochwassern an der Triebisch. So zum Beispiel am 05. Und 06. Juli 1958. In den Jahren nach 1945 gab es 4 Brände: die Scheune im Gut Henker, das Holzgebäude des Räuchermittelwerkes in Grund und zwei Wohnhäuser in Mohorn. Es wurde auch ausgerückt zu Einsätzen in den Orten des für Mohorn zuständigen Bereiches.

Im Jahre 1964 entstand zur Verbesserung der Nachwuchsarbeit die Gruppe „Junge Brandschutzhelfer“, die heute als Jugendfeuerwehr weitergeführt wird.

Um die Einsätze zu erleichtern wurde in Eigeninitiative ein Einsatzleitwagen geschaffen und im Januar 1994 erstmals eingesetzt. Im Dezember 1994 erfolgte die Überführung eines neuen Löschfahrzeuges von der Fa. Metz nach Mohorn. Nach Einweisung der Kameraden wurde das Löschfahrzeug im Januar 1995 feierlich eingeweiht.

Die größten Investitionen waren der Umbau, Rekonstruktion  und Erweiterung des Gerätehauses ab September 2005. Es wurde ein zusätzlicher Standplatz für ein Löschfahrzeug, neue Toreinfahrten sowie Umgestaltungen im Innenbereich geschaffen. Die Eigenleistungen der Kameraden werden mit ca. 4.000 Stunden beziffert, die Baukosten beliefen sich auf ca. 200.00 Euro. Im April 2006 wurde Einweihung gefeiert.

Der Bürgermeister Ralf Rother bedankte sich mehrfach für die Einsatzbereitschaft und den Leistungen der Wehr. Beispielhaft sind die Einsätze zum Hochwasser 2002, so leisteten die Kameraden vom 12.08.- 16.08.2002 ca. 1213 Stunden. Im Juni 2013 kam es erneut zum Hochwassereinsatz an der Triebisch. Betroffene Bewohner bedankten sich mit Geldspenden.

Auf Grund der guten Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und anderen Vereinen finden jährlich „Frühjahrsfeuer“ statt die Feuerwehr ist für das Maibaumstellen zuständig. Die Kameraden sind auch sportlich sehr aktiv. Mehrere Pokalsiege der Männer beim Löschangriff konnten errungen werden. Auch die Frauenmannschaft belegte vordere Plätze. Die Jugendfeuerwehr wurde beim Löschangriff mehrmals Kreismeister.

Heute entspricht der Fahrzeug- und Gerätebestand dem aktuellen Stand der Technik. Neben einem Löschgruppenfahrzeug sind ein ABC-Erkundungskraftwagen und seit vergangenem Jahr ein neuer Einsatzleitwagen in Mohorn stationiert.     

 


Jürgen Nönnig

Quellen:
Ortschronik Mohorn, Aktenlage OFW Mohorn


24. Teil: Post, Telegraphie und Fernsprechen in Mohorn und Grund

In Mohorn wird am 16.05.1867 eine Postexpedition eröffnet. Der Postverwalter ist der Leutnant a.D. E.G. Kemich. Der Bestellbereich umfasst die Orte Herzogswalde, Landberg, Grund, Hutha, Herrndorf, Wüsthetzdorf, Erlicht, Heydehäuser, Dittmannsdorf und Fasanenhäuser.

Ab 01.01.1872 wird die Postexpedition zur Postagentur. Leiter wird ab Oktober 1872 Friedrich Adolph Schurig. Die Postagentur war dem Postamt Wilsdruff unterstellt.
Die Zustellung der Brief-, Paket- und Geldpost erfolgte ab 1.Februar 1899 mit der Bahnpost auf der Strecke Potschappel- Wilsdruff- Mohorn – Nossen.

Vom 1.Mai 1928 bis Ende April 1945 wurden alle Sendungen per Landkraftpost von Dresden A 28 nach den Orten Birkenhain, Steinbach, Grumbach, Herzogswalde, Mohorn und Grund befördert.

Ab Ende Mai 1945 musste die Schmalspurbahn die Postbeförderung von Freital 2 nach allen Orten an dieser Strecke übernehmen.  Diese Zustellung endete 1952, da nun wieder Postkraftwagen vom Hauptpostamt Freital die Sendungen nach oben genannten Orten brachten.

Neben der Poststelle in Mohorn im Gebäude der Drogerie Rüdiger soll auch die Zweigpoststelle in Grund erwähnt werden. Dazu lesen wir in „Das alte Grund“, dass seit 1910 Frau Kietz hier die Post besorgte. Als Zusteller waren die Herren Hermann Pötschke, Otto Kretzschmar und Oswin Winkler im Einsatz. Ab 1944 bis Juli 1966 leitete Frau Magarete Uhlig die Poststelle in der Bäckerei Uhlig. Vom 1.August 1966 bis 31. Dezember 1970 versah Herr Max Uhlig im Haus von Herbert Schüller den Postdienst mit seiner Frau, die auch die Zustellung erledigte.


ehemalige Drogerie Rüdiger, Sitz der ersten Postagentur

Die Postagentur in Mohorn in dem Gebäude der Drogerie Rüdiger war Jahrzehnte ein fester Anlaufort für alle Bürger.
Für Mohorn weiß ich aus der Erinnerung, dass die Poststelle von Fräulein Schlenska viele Jahre geleitet wurde. Die Zusteller sind mir leider nicht bekannt. (Hier werden die Leser kurzfristig um Ergänzung gebeten)

Neben der Poststelle in Mohorn im Gebäude der Drogerie Rüdiger soll auch die Zweigpoststelle in Grund erwähnt werden. Dazu lesen wir in „Das alte Grund“, dass seit 1910 Frau Kietz hier die Post besorgte. Als Zusteller waren die Herren Hermann Pötschke, Otto Kretzschmar und Oswin Winkler im Einsatz. Ab 1944 bis Juli 1966 leitete Frau Magarete Uhlig die Poststelle in der Bäckerei Uhlig. Vom 1.August 1966 bis 31. Dezember 1970 versah Herr Max Uhlig im Haus von Herbert Schüller den Postdienst mit seiner Frau, die auch die Zustellung erledigte.
Neben der Poststelle in Mohorn im Gebäude der Drogerie Rüdiger soll auch die Zweigpoststelle in Grund erwähnt werden. Dazu lesen wir in „Das alte Grund“, dass seit 1910 Frau Kietz hier die Post besorgte. Als Zusteller waren die Herren Hermann Pötschke, Otto Kretzschmar und Oswin Winkler im Einsatz. Ab 1944 bis Juli 1966 leitete Frau Magarete Uhlig die Poststelle in der Bäckerei Uhlig. Vom 1.August 1966 bis 31. Dezember 1970 versah Herr Max Uhlig im Haus von Herbert Schüller den Postdienst mit seiner Frau, die auch die Zustellung erledigte.

Die Brief– und Paketzustellung zu den Einwohnern von Mohorn und Grund erfolgte über viele Jahre bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad bzw. im Winter mit dem Schlitten. 
Seit Ende 1994 Geschichte. Die Postagentur wird im „Biankas Minimarkt“ und danach in „Dürsels Geschenkideen“ etabliert.

Am 25.März 1889 wird in der Postagentur Mohorn eine Telegrafenstelle mit Fernsprechbetrieb eingerichtet. Öffentliche Fernsprechstellen gab es in Mohorn ,Herzogswalde und Grumbach seit 1899 mit Anschluss an die Vermittlungsstelle Wilsdruff.

Die neuen Verkehrsmittel Eisenbahn und Fernsprechen beförderten die wirtschaftliche Entwicklung auch in Mohorn so stark, dass im August 1907 eine Fernsprechvermittlung mit zugehörigem Ortsnetz in Betrieb genommen wurde. Bereits am 25.November 1925 wird die Fernsprechhandvermittlung gegen ein Selbstanschlussamt ausgetauscht. An diese automatische Fernsprechvermittlung waren die Orte Blankenstein, Helbigsdorf, Herzogswalde, Herrendorf, Hetzdorf, Hutha; Niederschöna, Oberschaar, Haida und Mohorn mit Grund. Die Vermittlungsstelle Mohorn war im Fernverkehr auf das Fernamt in Freiberg abgestützt.


neues Typenhaus der Fernsprechvermittlung an der B 173

Im Jahr 1972 wurde in einem Typenhaus eine neue automatische Fernsprechvermittlung mit mehr Anschlussmöglichkeiten in Betrieb genommen.
Ein erneuter Austausch erfolgte im Jahr 1995 im Typenhaus an gleicher Stelle. Nun können alle Bürger einen Anschluss erhalten.

Weitere Details zu diesem Thema werden in der Festschrift beschrieben.

Claus Hegewald

Fotos:
Jürgen Haubold und Claus Hegewald


25. Teil: Hermann Eugen Müller – Bergingenieur, Wirtschaftslenker und Karakulschafzüchter

Zu den bedeutenden Einwohnern von Mohorn/Grund gehörte der Wegbereiter einer staatsnahen Braunkohlen- und Energiewirtschaft in Sachsen Hermann Eugen Müller (1877-1967). Sein Berufsleben führten den gebürtigen Schwaben über die frühe Erkenntnis einer landesweiten gemeinnützigen Elektrizitätsversorgung auf Braunkohlenbasis (1904) sowie über bergmännische Problemlösungen im Tief- und Tagebau und ingenieurtechnische Neuerungen, die ihn deutschlandweit bekannt machten, bis an die Spitze der staatlichen Energieversorgung Sachsens.


Als 1. Generaldirektor der Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW) mit Wohnsitz in Dresden erwarb er 1927/28 das Grundstück an der Niedermühle als Erholungsort und Wochenendsitz für seine Familie. Hier baute der Hobbyzüchter eine Vollblut-Stammzucht für Karakulschafe auf, die in Züchterkreisen hohe Anerkennung fand und den Namen Grund über Sachsen hinaus bekannt machte.


Durch die Machenschaften des Nazigauleiters Mutschmann musste Müller 1933 nicht nur die ASW verlassen, er verlor darüber hinaus auch die Zuchttiere, seinen Zweitwohnsitz und Hof in Grund.

Von 1936 bis 1942 war er als oberster Berater der türkischen Regierung in Bergbauangelegenheiten in Ankara tätig und an der Entdeckung bedeutender Braunkohlen- und Erzlagerstätten beteiligt.


Nach seiner Rückkehr fand er in Grund eine neue Bleibe, die im Mai 1945 Hauptwohnsitz der Familie wurde. Hier lebte er mit seiner Frau bis zu seiner Übersiedlung zu seinem Sohn Georg ins Emsland im Februar 1963. Leben und Werk von Hermann Eugen Müller gerieten in Vergessenheit und wurden erst in den letzten Jahren für die Öffentlichkeit erschlossen (siehe Wikipedia: Hermann Eugen Müller).
Sein Leben in Grund steht im Mittelpunkt des Heimatheftes Mohorn/Grund Nr. 6 (2014).

Dr. Ingrid Hönsch


Weitere Details zu diesem Thema werden in der Festschrift beschrieben.

Claus Hegewald

Fotos:
Jürgen Haubold und Claus Hegewald


26. Teil: Kinderkrippe in Mohorn

Damit weitere jüngere Arbeitskräfte für die Landwirtschaft gewonnen werden konnten, war die Leitung der Landwirtschaftlichen Genossenschaft besonders darum bemüht, für die Erntezeit eine Erntekinderkrippe für 1 bis 3jährige Kinder einzurichten. Eine Wohnung im Weidegut wurde umgebaut und am 01.07.1963 übergeben.
Die Kapazität betrug 20 Plätze, die immer voll belegt waren. Bauliche Verbesserung und Schaffung eines Spielplatzes machten es möglich die Einrichtung ab 1965 ganzjährig zu öffnen.
Die Kinderkrippe war nicht mehr wegzudenken und Betreuungswünsche konnten oft nicht erfüllt werden.

Im Juni 1976 erhielt die Krippe eine Erweiterung im Seitengebäude des Hofes um 14 Plätze.
Das alte Gebäude wurde im Laufe der Jahre so baufällig, dass es im September 1986 geschlossen werden musste. Eine Kinderkrippe konnte für die nächste Zeit im Schulhort Mohorn untergebracht werden. Das Seitengebäude des Weidegutes diente weiterhin als Krippe. Das alte Gebäude, welches 23 Jahre als Kinderkrippe genutzt wurde, riss die LPG im Winter 87/88 ab.

Ab Februar 1987 konnten 22 Kinder im Neubaublock 6c am Südhang (Interimskrippe) untergebracht werden. Dazu wurden 3 Wohnungen in der 1. Etage genutzt. Im Frühjahr 1988 kam noch eine Gartenfläche dazu, damit die Kinder auch im Freien spielen konnten.

Im Sommer 1987 begann der Bau einer neuen Kinderkrippe am Weg zum Südhang. Durch das Zusammenwirken vieler Kräfte, besonders der Tier- und Pflanzenproduktion gelang es den Bau voranzutreiben.

Am 6. März 1989 konnte die Einrichtung einzugsfertig für 36 Plätze übergeben werden. In den 1990ger Jahren sank die  Geburtenrate stark, somit auch der Bedarf an Krippenplätzen. Zur besseren Auslastung wurde eine Kindergartengruppe mit untergebracht.

Im Sommer 1996 wurde wegen Mangels an Kindern geschlossen. Die Zweijährigen wurden von nun an im Kindergarten betreut.
Im Laufe der Jahre gab es in Mohorn, Grund und Herzogswalde wieder mehr Kinder und die Nachfrage der Betreuung 1-3jähriger wurde immer größer. Deshalb entschloss man sich für einen Umbau im Erdgeschoss des Kindergartens, welcher  im Sommer 2007 einzugsfertig war. In den Folgejahren wurde dazu ein separater Spielplatz geschaffen für die Kleinsten der Kita. Die Nachfragen nach Krippen sowie auch Kindergartenplätzen nahm stetig wieder zu.

2016 laufen bereits Planungen eines Umbaues im Dorfgemeinschaftshaus Herzogswalde für eine neue Kinderkrippe, die im April 2017 bezugsfertig ist.

Gisela Schumann


Quellen:
Chronik von Roland Göhler
Unterlagen und Recherche in der Kita



27. Teil: Der Kindergarten Mohorn  zwischen gestern und heute


Gebäude Kindergarten 2017
Im Jahr 1943 wurde in Beyers Gut ein Kindergarten für 25-30 Kinder eingerichtet. Der Bedarf an Plätzen nach dem Krieg stieg immer weiter.
So begann man 1951 mit dem Bau eines Kindergartens (heute Jugendclub). Im Jahre 1960 wurde noch ein Erntekindergarten für die Sommermonate eingerichtet.
Für die Grunder Kinder nutzte man das ehemalige Kinderheim von 1980-1991.
Im Jahr 1988 wurde in Mohorn ein neuer Bau vor dem alten Kindergarten errichtet und am 2.01.1989 eingeweiht.

Mit der politischen Wende veränderte sich vieles in den Einrichtungen. Die Betreuung der Hortkinder war nun dem Kindergarten mit unterstellt. Nachdem anfangs die Geburtenzahlen abrupt zurück gingen und 3 Kindereinrichtungen in der gesamten Gemeinde geschlossen werden mussten, fanden die Hortkinder Aufnahme in den Räumen des Kindergartens.

10 Jahre später änderte sich die Situation wieder total. In den drei Ortsteilen wurden wieder mehr Kinder geboren. Durch den großen Zuwachs an Kindern, war es nun erforderlich den Hortbereich in der Grundschule unterzubringen.
(Die detaillierte Geschichte des Kindergartens und vor allem die turbulente Entwicklung der Kinderbetreuung in den Jahren nach 1990 wird eingehend in der Festschrift anlässlich  750 Jahre Mohorn geschildert.)

Ab 1.Oktober 2000 gehörte unsere Einrichtung zum Kindergarten Wilsdruff e.V..Danach wurde unser Kindergarten im Innen- und Außenbereich saniert und modernisiert. Der freigelegte Hort wurde für eine Krippengruppe umgestaltet.
Zum Herbstfest 2007 erhielt unsere Einrichtung den Namen „Kindergarten am Heidelberg“.

Im Mai 2017 hat die Kinderkrippe nun ein eigenes Haus in Herzogswalde bezogen und damit kann die Zahl der zu betreuenden Kindergartenkinder in Mohorn weiter wachsen.



Projekt: Ein Koffer voll Musik

Zirkusprojekt

Christine Jander

Quellen:
Roland Göhler
Chronik und Konzeption Kindergarten „ Am Heidelberg“
Auszüge „Sächsische Zeitung“


Fotos:
Gemeindearchiv Mohorn, Kindergarten Mohorn


28. Teil: Schulbildung in Mohorn von den Anfängen bis 1945

1578
Gründung einer Privatschule für wohlhabende Schüler der Umgebung durch Pfarrer Michael Bapst von Rochlitz.


Erste Schule in Mohorn

1595
Gründung der ersten Kirchschule in Mohorn. Um die Ideen der Reformation dem breiten Volke zugänglich zu machen, werden in den Städten und Dörfern Sachsens Schulen gegründet, die unter der Hoheit der ansässigen Pastoren standen. Diese setzten Lehrer (Praeceptoren) ein, welche die Kinder (vorerst Jungen) unterrichteten. Philipp Melanchton als „Praeceptor Germaniae“ schaffte die Grundlagen für die Ausbildung im Land. Als erstes Lehrbuch dient der „Kleine Katechismus“ von Martin Luther. Neben Lesen, Schreiben und Lernen der Bibeltexte, dies im täglichen Gebet, werden einfache Rechenaufgaben vermittelt. Große Bedeutung kommt dem Singen von Kirchenchorälen der Lutherzeit zu.

1766
sprechen die Kirchenakten von Umbauten an der Schule im Fachwerkbau, die sich unterhalb der Kirche und Pfarre befindet .

1827
Schulneubau im Zentrum von Grund, in der Nähe der Brücken über die Triebisch und den Mühlgraben, am Eingang zum Tieftal. Seit dieser Zeit besuchen die Grunder Kinder ihre eigene Schule. Das wird sich erst nach dem zweiten Weltkrieg wieder ändern.

Erste Schule in Grund

1859
Umbau der Schule am Pfarrberg Sie erhält die Grundmaße, wie wir sie heute noch kennen. Das Fachwerk wird weggelassen. Das Haus erhält 2 Klassenzimmer und zwei Lehrerwohnungen. Bleibt Schule bis 1970, danach Schulhort bis 1992, heute Wohnungen. 
Schule in Mohorn von 1859


1897
Schulneubau in Grund an der heutigen Hetzdorfer Straße Bleibt Schule bis 1970, danach Wohnungen.
Schule in Grund von 1897



Die Schulen in Mohorn und Grund sind bis zum Ende des 1. Weltkrieges dem Kirchenamt in Mohorn unterstellt.

 

Quellen:
Göhler, Chronik Mohorn in 7 Jahrhunderten
Kirchenarchiv Mohorn

Fotos:
Gemeindearchiv Mohorn


29. Teil: Schulgeschichte ab 1945

Nachdem das Schulgeschehen einige Wochen stillgelegen hatte, sollte überall schnellstens mit dem Unterricht begonnen werden. Das am 12.6.1946 erlassene Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule brachte die Änderung einer vierklassigen in eine achtklassige Schule und damit neue Probleme. Um den Anforderungen gerecht zu werden musste Unterricht in großen Stuben bei einigen Bauern durchgeführt werden. 1949 wurde im Gasthof das Vereinszimmer vorübergehend Klassenzimmer. Da in Grund dieselben Probleme bestanden, wurde durch die Landesregierung die Zusammenlegung beider Schulen dringend empfohlen. Als Hauptschule diente die Haushaltsschule in Grund, während die 1. – 4. Klassen in den ehemaligen Räumen verblieben. Am 1.9.1950 zog die Grundschule Mohorn in die drei Räume des Gebäudes ein. 1959 wurden mit einem weiteren Gesetz der Aufbau einer zehnklassigen allgemeinbildenden Schule und die Einführung des polytechnischen Unterrichts festgelegt. Schüler, die zehn Jahre in die Schule gehen wollten mussten vorerst nach Wilsdruff fahren. Diejenigen, die die Erweiterte Oberschule mit Abschluss der Klasse 12 besuchten, fuhren nach Freital. Damit war der Bildungsunterschied zwischen Stadt und Land zwar verschwunden, aber die Durchführung des Unterrichts in drei Gebäuden und dem Werkraum in der alten Molkerei für Schüler und Lehrer eine enorme Belastung. Am 1.9.1970 wurde die neue Schule, die von 1972 – 1989 den Namen „Ernst – Schneller – Oberschule“ trug ihrer Bestimmung übergeben. Zu diesem Zeitpunkt gab es 365 Schüler, 22 Lehrer, einen Pionierleiter und vier Hortnerinnen. 17 Klassen wurden in acht Unterrichts-, zwei Fach- und einem Werkraum unterrichtet. Im Schulgebäude in Grund befanden sich die Schulküche sowie zwei Turnräume. 1985 wurde im Schulgelände eine Turnhalle erbaut. Nach der Wende erließ der Freistaat Sachsen mit dem neuen Schulgesetz einschneidende Veränderungen. Mohorn wurde damit zur Grundschule (Klasse 1 – 4) umstrukturiert. Im Rahmen eines Schulverbundes mit der Gemeinde Niederschöna wurden aus Platzgründen bis 2004 die Schüler der 5. und 6. Klasse im Gebäude der Grundschule Mohorn und die Klassen 7 bis 10 in der Mittelschule Niederschöna unterrichtet.



Im Frühjahr 2004 gründeten engagierte Eltern und Lehrerinnen den Schulförderverein der Freunde und Förderer der Grundschule Mohorn. 2004 begann man den Hort mit einer Hortgruppe im Schulgebäude zu installieren, der ab 2006 erweitert wurde und somit vollständig in das Schulgebäude einzog. 2006 - 2012 wurden notwendig gewordene umfassende Sanierungsarbeiten in der Turnhalle sowie am und im Schulhaus, welche die Lernbedingungen für die Schüler und die Arbeitsbedingungen des Lehrer- und Hortteams enorm verbesserten, durchgeführt. 2008 erhielt die Grundschule den Namenszusatz „Grundschule Mohorn am Tharandter Wald“. Ganztagsangebote im Vormittagsbereich, die vorrangig dem Fördern und Fordern der Kinder dienen und verschiedene Projekte wie der Waldtag, KNEIPP, Gesunde Ernährung oder die Töpferwerkstatt bereichern zusätzlich den Schulalltag der Kinder.


Im September 2013 wurde der Grundschule das Prädikat „Vom Kneipp-Bund anerkannte Einrichtung“(als dritte Grundschule in Sachsen)verliehen. Der Schulträger richtete aus diesem Anlass einen modernen Kneippraum im Kellerbereich ein. Im Schuljahr 2016/17 lernen 93 Kinder in der Grundschule, die von fünf Lehrerinnen und einem Gastlehrer unterrichtet werden.



Heike Hahn


Quellen
:

Mohorn in sieben Jahrhunderten von Roland Göhler
Hinweise von Margit Möbius

Fotos:
Altes Schulgebäude Mohorn (Gemeindearchiv Mohorn)
Grundschule Mohorn (H. Hahn)

 

30. Teil: Kinderheim Grund

Kinderheim Sonnenhang
Steil ist der Weg, der hinauf zum Kinderheim „Sonnenhang“ führt. Hat man den Gipfel erreicht, stößt man auf einen Gebäudekomplex, dem man das einstige Bauerngehöft von Oswin Dittrich noch ansieht. Flieder leuchtet vor der Pforte. Auf einer der nahen Wiesen sind die eigentlichen Bewohner dabei, sich mit fröhlichem Spiel die Zeit zu vertreiben. Drei- bis sechsjährige Mädchen und Jungen, denen das Haus im idyllisch gelegenen Mohorn-Grund meist für einen längeren Zeitabschnitt Heimat ist. 
Das Gehöft diente in den 30er Jahren bis 1945 als Landdienstlager für die „Pflichtjahr“-Mädchen der Landwirtschaft. Ab 1945 war es bis März 1947 Flüchtlingsunterkunft. Im April 1947 wurde es zum Kindererholungsheim „Sonnenhang“ umgebaut und im Mai 1947 eröffnet. Später wohnten Schulkinder im Heim. Von 1957 bis Ende August 1980 war es ein Vorschulheim (Jugendhilfe, Heimerziehung).In dieser Zeit waren Kinder von 3 -6 Jahren in dieser Einrichtung. Am 2. Mai 1980 bis August 1991 war es  Außenstelle des Kindergartens Mohorn. Danach wurde das Grundstück verkauft.
Das Gut bestand aus drei Gebäuden. Ein Haupthaus mit Gruppenzimmer, Schlafräumen, Bad, Toilette, Bodenräumen, Küche mit Keller und Veranda. Im Nebengebäude war das Gruppenzimmer der älteren Kinder, ein Fernsehraum, Büro, Toilette, Nähstube, Speisekammer und Bodenräume. In der Scheune lagerte das Heizmaterial für die vielen Öfen. Das Außengelände war sehr ideal. Es war mit Dingen versehen, die den Kindern viel Spaß bereiteten: Sandkästen, Klettergerät, Wippe, Karussell und viel Wiese mit Bäumen und Sträuchern, wo man sich verstecken konnte. Reichlich Spielzeug war vorhanden: Roller, Dreiräder und Schlitten. 1975 hatte das Kinderheim eine vollkommen neue Innenausstattung erhalten, die den Kindern und Erzieherinnen jeden erdenklichen Wohnkomfort bot.
Die Kinder kamen aus allen Teilen des Bezirkes Dresden und brauchten viel Liebe und Fürsorge. Vielfältige Verbindungen hatten wir zu anderen Menschen. Angehörige der Patenbrigade des Bau- und Maschinenkombinates besuchten die Kinder und unternahmen Ausflüge zum Landberg. Die Patenbrigade WTZ („Datenverarbeitung“) war Weihnachten zu Gast. Sie brachte den Weihnachtsmann und viele Geschenke mit. Im Sommer wurden wir zu Veranstaltungen im Ferienlager „Albert Funk“ eingeladen.
Die Geburtstage der Kinder wurden gefeiert. Das Zuckertütenfest war ein besonderer Höhepunkt für alle.



Ferien an der Ostsee
Jedes Jahr von Anfang September bis Anfang Oktober verbrachten wir mit den Kindern viele schöne Stunden in Karlshagen, einem kleinen Ort auf der Insel Usedom.
Jeden Tag, wenn das Wetter es erlaubte, ging es zum Strand. Getränke und Verpflegung wurden mitgenommen. Da die Ostsee nicht wärmer als 18°C war, buddelten die Kinder im Sand und sammelten am Strand angespülte Dinge, besonders Bernstein. An manchen Tagen waren Quallen im Meer. Die Mittagsruhe in den Strandkörben war Pflicht.
Da es viele Kiefern und Laubbäume hier gab, suchten wir bei schlechterem Wetter Zapfen oder Pilze. Die Pilze trockneten wir. Es gab auch Spaziergänge zum Fischerhafen, wo es viel zu sehen gab. Nachdem die Ferienzeit um war, ging es wieder nach Mohorn-Grund zurück.



Christine Jander


Quellen
:

Chronik „Das alte Grund“
Zeitungsausschnitte „SZ Wochenendreportage“
„Dresden Neueste Nachrichten“